Der Wettbewerb ist am Ende, wenn er nach Solidarität ruft
Dass der Wettbewerb offensichtlich in eine Phase kommt, in der er nichts mehr bringt ausser Kosten, Kosten, die dann der Konsument zu bezahlen hat, lässt sich heute leich erkennen. Der grösste Teil der sog. “Innovationen” beschränkt sich auf neue Verpackung - und professionellere Werbung. Die Grenzen und Probleme des Wettbewerbs zeigen sich zur Zeit besonders deutlich im Kampf von Swisscom, Orange und Sunrise um Marktanteile. Obwohl Swisscom einen Marktanteil von 62% hat, Sunrise 21% und Orange 17% , kombiniert also immer noch nur 38%, verbot die WEKO die Fusion der beiden kleinen, die also einen noch grösseren Abstand von Swisscom haben in Sachen economy of scale. Das heisst, dass sie alleine von der Grösse her preislich gar nicht konkurrieren können. Das führt dann zu so seltsamen Strategien wie etwa bei der noch kleineren Cablecom (Partner von Sunrise), die per Fernsehkomiker anbieten: Do chan i spare wie no nie! Oder, neuster Fernsehgag(g) mit dem Gepard: Gut wenn man weiss, dass man eh der schnellste ist. Allerdings ist a) die Sache mit dem Sparen ein Witz, denn die Gebühren werden fällig, sobald ein Installateur zufälligerweise mal Zeit hat, und das alte Abo noch läuft (vorzeitige Kündigung auf eigene Kosten, lässt sich Cablecom per Unterschrift hier garantieren.) Die Geschwindigkeit stimmt generell gesprochen, allerdings muss man sich auch per Cablecom kaum am Abend zwischen19 und 21 Uhr Internetfilme ansehen wollen.Dann kann es auch vorkommen, dass der ganze Dienst, samt Telefon, Fernseher und Internet, mal für einen Tag weg ist, wenn wo was zusammenklappte, und der Hauswart nicht informiert ist, dass er die Sicherung wieder einwerfen sollte. Da Cablecom ein Kleiner ist, müsste man als Kunde also eigentlich solidarisch sein, den Aerger auf sich nehmen, denn rein marktwirtschaftlich kann der Preiskampf ja für die Firma gar nicht aufgehen.
Noch teurer, für alle, nicht bloss Abonnenten, wird die Solidarität im wirtschaftlichen Wettbewerb, wenn plötzlich die Verlierer des Wettbewerbs bankrott gehen. Entweder landen sie als Private beim Sozialamt, oder, als Staat, beim IWF und irgendwelcher “internationaler Solidarität” (der EU z.B.), womit dann der Steuerzahler die Kosten des Wettbewerbs übernimmt, für die “Einsparungen” wie für riskante Verkaufsstrategien (Hausverkauf an Zahlungsunfähige in den USA vor 2 Jahren, freie Kreditvergabe und Gingernillisverkauf en masse an eigentlich zahlungsunfähige Griechen in Europa) auf Betriebsniveau zahlt.
Es ist “seltsam”, dass die selben Leute, die als Neoliberale jegliche Quersubvention, ja jegliche Subvention von Regionen oder Gütern, die im internationalen Markt aus gewissen Gründen nicht konkurrenzfähig sind ablehnen, dann offenbar rein gar nichts dagegen einzuwenden haben, wenn ihre Schuldner von der Gemeinschaft unterstützt werden, also ihre Güter vom Steuerzahler subventioniert werden - in aller Anonymität.
Oft spielt hier allerdings falsch verstandener Idealismus eine üblere Rolle als üble Ideologien. So war sicher mancher für die Unterstützung Griechenlands aus “Solidarität”, während dem ein “übler Kapitalist” wie der Finanzexperte Mike Bär die Meinung vertritt: Man hätte Griechenland nicht retten sollen. Besser wäre ein geordnetes Konkursverfahren gewesen, verbunden mit einer Umschuldung. Die Gläubiger - vor allem französische und deutsche Bankinstitute- hätten auf den Staatsanleihen Abschreibungen vornehmen und die Verluste selbst tragen müssen. [Handelszeitung Nr 19, 12-18 Mai 2010. S. 28] Eben. Wer kam denn da auf die Idee, das liege in der Verantwortung (oder gar “Solidarität”) der Steuerzahler? Offenbar könnte knallharte Marktwirtschaft manchmal gerechter sein als birnenweiche Solidarität … mit den falschen. Jetzt liefert der deutsche Steuerzahler Geld an deutsche Banken - während umgekehrt das doch nur sehr ungern und selten, bei massiver Beteiligung an den Risiken, geschieht.
- s. Sahra Wagenknecht, DIE LINKE, die eigentlich keine Lust hat, Banken zu retten: »Sie sind zu feige, sich mit den Wirtschaftsmächtigen anzulegen«
- Peter V. Kunz, Uni St. Gallen, der ein Konzept erstellt hat, wie sich too-big-to-fail-Banken im Krisenfall per Knopfdruck aufteilen und die nicht-systemrelevanten Teile in Konkurs gehen lassen, also das Standortsland, das nur noch für die Rettung des systemrelavanten Kerns aufkommen muss, nicht gleich mit in den Abgrund reissen. Das Konzept dürfte allerdings in den Ländern mit verschuldeten nicht-systemrelevanten Teilen genau so viel Freude auslösen, wie etwa Island, das die Kredite für Bankrettung eigener Banken durch fremde Staaten nicht honoriert, denn irgendwer wird immer bezahlen müssen.