Brainworker-Blog

July 7, 2010

War Griechenland geplant?

Filed under: Aktuelles, Wirtschaft, Politik, Editor — admin @ 5:14 pm

Griechenland ist zwar im Moment nicht grad im Zentrum der Interessen. Da stehen grad noch Deutschland, Spanien, Uruguai und die Niederlande. Die Schweiz kommt ins Schwitzen, nicht nur weil die Temperaturen wieder über 30° gehen (was es früher auch nicht gab, in den guten alten Zeiten …), sondern weil der Export in die EU sich für diese extrem verteuert, seitdem der Euro eben so abschmiert wie vorher der Dollar. Was war es für ein Riesengeschrei, von wegen Auflösung des Euroraums etc, Rauswurf von Griechenland - sieht man sich jedoch die Entwicklung der Wechselkurse einiger Schwergewichtswährungen an, könnte man so ein bisschen den Eindruck kriegen, dass die Entwicklung vielleicht nicht mal ungewollt ist:

Der japanische Yen wie der Euro entwickelten sich praktisch parallel, mit dem Dollar, zu Schwachwährungen - während dem der starke Franken zwar Importe verbilligte, Exporte aber zunehmend erschwert. Inzwischen ist der Euro wieder deutlich näher bei Dollar und Yen, die europäische, also vor allem Deutsche Exportindustrie also wieder konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt. Ursache für den Verfall des Euro ist das bisher grösste finanzielle Stabilisierungspaket aller Zeiten, mehr als die bisher 10 grössten zusammen genommen:

 [Bilanz 10, 2010. S. 63]

Die Hilfe an Griechenland beträgt das 2.5-fache des jährlichen Bruttoinlandproduktes:

Eine harte Währung ist günstig für ein Land, wenn es Investitionen, generell Geld anziehen will, da es sich empfiehlt als Stätte der Werterhaltung. Ein starker Franken war immer Anliegen und Vorteil des swiss banking. Auch heute kann es davon profitieren. Ob all die Angriffe auf genau dieses Banksystem nicht vielleicht doch etwas mit den neuen Chancen zu tun haben, als mit den altbekannten (Steuer-)Problemen? Zumal der französische Drachentöter in Sachen clean banking, Monsieur Woerth, in Koalition mit Liliane Bettencourt, sich zur Zeit auch nicht grad mit Ruhm bekleckert.

Chancen für das Private Banking in der Schweiz

Mit einsetzendem Beschuss erst von Seiten der USA, dann von fast allen Nachbarn, unterstützt durch Datenklau (), konnte man annehmen, die Sache mit dem Bankgeheimnis, und ev. der Stärke der Schweizer Banken sei gelaufen. Dem ist nicht so, denn, obwohl sich die Anlagen stark verringert haben, beträgt die Verringerung der offshore-Einlagen genau gleich viel wie die Verringerung der Inlandseinlagen, ist also eine Folge der Wertverluste, die doch 2007-08 um 35-40% betrugen:

[Swiss Private Banking Guide 2010]

Von den 60 Milliarden Euro welche Italienische Anleger anlässlich der letzten Steueramnestie legalisiert haben, blieben 45 in der Schweiz - auch ohne Geheimnis. Auch die CS konnte 2/3 der Gelder halten, was daf’ür spricht, dass Schweizer Banken, auch  ohne “Steuervergünstigungen”, einen qualitativen Vorsprung haben in der Anlageberatung betuchter Kunden.  Es wird sogar angenommen, dass mit steigenden Staatschulden der solide Währungsplatz Schweiz sogar noch mehr Gelder anziehen kann, a) weil hier kein Staatsbankrott droht, b) weil der Franken eine starke Währung bleibt, also nicht mit Kursverlusten zu rechnen ist wie eben gerade bei Euro, Yen und Dollar.

Was das Bankgeheimnis betrifft, so vertritt die Schweiz mit Anerkennung des OECD-Standards nun eigentlich nur noch den Standard, den sich Europa selbst gesetzt hat, und kann auf die Haarspalterei mit Steuerhinterziehung und Steuerbetrug verzichten.

Die CS, in den letzten Jahren nicht immer gelobt, aber dank der massiven Probleme der UBS selten im Rampenlicht, erhielt sogar von Euromoney den Preis für das beste Private- Banking, die UBS den von myprivatebanking.com für die beste Private-Banking-Website - während dem die ZKB, laut Global Finance Magazine, die sicherste Universalbank der Welt sei.

Nichtsdestoweniger wird für die nächsten 5 Jahre mit dem Verschwinden von etwa 1/5 der Vermögensverwalter gerechnet, dies auf Grund des Margendrucks, der Regulierungskosten und der verschlechterten Wachstumsperspektiven für kleine Banken ohne internationale Ausrichtung. Was die andern betrifft, die grossen, so ist das Problem des “too big to fail” bei weitem nicht entschärft, im Gegenteil, sie werden noch grösser. Vor der Krise hielten die 25 grössten Banken der USA 56% aller Vermögenswerte. Heute sind es 59%.

Die Schweiz sollte sich also nicht all zu schlecht machen (immerhin sind “wir” bald, sofern Spanien gewinnt, Superweltmeister, denn immerhin haben wir ja die Spanier geschlagen …).  Scherz beiseite. Trotz all der Beleidigungen in letzter Zeit, nicht bloss durch “Ghadaffi den Bekloppten”, ist die Schweiz ein bevorzugter Standort für manch internationale Firma. 269 haben sich alleine seit 2003 hier niedergelassen, und, wie’s scheint, nicht mal des Bankgeheimnisses wegen, auch nicht der Steuern wegen, sondern auf Grund der politischen Stabilität, der Rechtssicherheit, Lebensqualität und harmonischem sozialem Klima, guter Infrastruktur, guter Ausbildung der Arbeitskräfte und liberalem Arbeitsrecht. Steuervorteile kommen erst auf Platz 11 der ADL-Studie.

July 1, 2010

economiesuisse produziert Bockmist: “Volksschule - Fokus auf das Wesentliche.”

Filed under: gesellschaftliche Entwicklung, Aktuelles, Editor — admin @ 5:03 pm

Volksschule - Fokus auf das Wesentliche

+ Auswertung der Vernehmlassung ‘Grundlagen für den Lehrplan 21

Ein Vorschlag von economiesuisse, der äusserst klar macht, welche Werthaltung hier in Schulen trainiert werden soll - und wie schwierig es ist, sich hier strategisch zu einigen.

economiesuisse schliesst - aus einer selbst veranstalteten Umfrage - dass die wichtigsten Elemente der Bildung an der Volksschule die Erstsprache (also für diejenigen die das hier lesen vermutlich deutsch) und Mathematik sei. Kompetenzen in andern Fächern wie Naturwissenschaften, Englisch, weitere Fremdsprache folgen in beträchlichem Abstand, und/oder gewinnen erst an Bedeutung mit höherem Leistungsniveau.

Diskussion: Diese “Bewertung” führt nun zu einer ganzen Serie von “Seltsamkeiten”:

  1. Die hohen Anforderungen die selbst an die Mathematikkenntnisse bei der tiefsten Leistungsstufe gestellt werden, führen schlichtweg dazu, dass hier ein grosser Teil der Schüler ausgeschlossen wird - womit sich die Wirtschaft allenfalls den Vorwurf erspart, selbst für die Arbeitslosigkeit bei schulisch weniger Begabten schuld zu sein. Hier liegt das Hauptproblem des economiesuisse-Konzepts:
  2. Mathematik ist die abstrakte Denkweise per se. Hier entscheidet sich bereits zu einem grossen Teil, wie gut heute jemand in der Schule abschneidet, denn hier ist praktisch jede Schulprüfung ein Intelligenztest - solange nicht bloss auswendig Gelerntes abgefragt wird. Dummerweise ist nun aber die Welt so eingerichtet, dass 50% der Bürger irgendeines Landes, auch der Schweiz, einen IQ von unter 100, die anderen 50% einen von über 100 haben. So wurde die Standardverteilung nämlich definiert. Mit über 115 (plus/minus 10% je nach Fleiss und Unterstützung von Aussen) ist jemand fähig, eine Matur zu absolvieren. Für ein Studium reicht das heute meist auch (bei Fleissigen), früher wurden 120 gefordert. Bereits mit 140 kriegt man allerdings Probleme mit der Gesellschaft, weil man praktisch immer anders denkt als die Mehrheit. Umgekehrt allerdings auch. Ein IQ von unter 80 bezeichnet bereits eine Person mit Debilität, also deutlicher Lernbehinderung. Kinder mit einem IQ zwischen 50 und 74 können bei guter Unterstützung das Leistungsniveau der 3. bis 6. Klasse erreichen, mehr nicht. 5-15% bleiben hier also jetzt bereits chancenlos. Verschärfen wir nun selbst in der “Doddelischule” das Niveau durch Verstärkung des Mathematikunterrichts - statt diejenigen Begabungen zu fördern, die die Betroffenen vielleicht eben statt der abstrakten Erkenntnis haben, also insbesondere die kinetische Intelligenz, die soziale Intelligenz (s. Problem Kindergärtnerinnen mit Matur) oder andere Intelligenzformen, dann verunmöglichen wir einem immer höheren Anteil der Bevölkerung jegliche Chance auf ein eigenständiges Leben, basierend auf Erwerbstätigkeit. Es ist hier nicht die Schule, welche die Ausbildung ändern muss - es ist die Wirtschaft, die gerade für solche Menschen auch Arbeitsplätze bereitstellen muss, in denen die Menschen eine ihnen gemässe Leistung erbringen können. Es ist abartig diese erst als unwert zu erklären (Invalide bedeutet nichts anderes) - und dann als Scheininvalide zu diskriminieren.

  3. Dass ausgerechnet economiesuisse einen derartigen Bockmist produziert erstaunt (nicht wirklich, aber) vor allem deswegen, weil es doch präzise die selben Leute sind, die andauernd den Hochschulen zu viel Theorielastigkeit und zu wenig Praxisbezug vorwerfen. Nun kommen sie und wollen alle zu Invaliden machen, die gewissen Probleme haben mit Theorien und Abstraktionen. Offensichtlich hatten da ein paar Leute auch nicht all zu viel Mathematikunterricht, zumindest bei der Logik scheint es massiv zu hapern.

Besonders widerlich sind die erwünschten nicht kognitiven “Kompetenzen”:

  • Disziplin/Leistung
  • Achtung/Respekt
  • Motivation
  • Flexibilität
  • Verantwortung
  • Zuverlässigkeit
  • Engagement

Sieht man sich die Befragung rechts an, so fällt auf, dass die armen Schüler den hohen Ansprüchen der Lehrherren offenbar überhaupt nie genügen, nicht mal bei der höchsten Leistungsstufe (Ausnahme Flexibilität bei den dümmeren (Denen bleibt nix, als sich anzupassen und zu rennen), Verantwortung bei der mittleren Leistungsklasse (die wollen eben noch Chef werden) und Achtung/Respekt bei den Intelligentesten (denn erfahrungsgemäss hat man wenig Chancen auf ein Weiterkommen, wenn man seinem Chef sagt, was man von ihm hält).

  • Disziplin und Leistung sind den Betriebsherren offenbar das Grösste - und bei den Schulabgängern offenbar nur mangelhaft vorhanden. Nun soll die Schule das richten. … Eigentlich wäre das ja Sache des Lohnsystems und der Führung, und zwar an dem Ort wo die Disziplin gefordert wird, nicht an einem Ort ausserhalb, also der Schule. Liebe Chefs, das ist euer Job. Krieg ihr das nicht hin, so dürfte das Problem vielleicht doch eher bei Euch als bei den armen Würstchen liegen, die sich nicht ausreichend biegen lassen.
  • Für Achtung und Respekt gilt eigentlich das selbe. Achtung und Respekt muss man sich verdienen (allenfalls kaufen …), aber mit Befehlen oder an der Schule trainieren ist das so eine Sache …
  • Bei Motivation und Engagement wird die Angelegenheit zum Horror. Offensichtlich ist bloss knapp 1/3 der Schulabgänger motiviert, 10% engagiert für die Arbeit die sie neu aufnehmen … falls ihnen das nach hunderten von abgelehnten Bewerbungen gelingt. Vielleicht ist das ganz einfach der Preis, den man für diese “Flexibilität” bezahlen muss, denn man kann ja wirklich nicht ernsthaft verlangen, dass sich Lehrlinge für jeden Sch… interessieren müssen, einfach weil jetzt zufällig mal wieder jemand einen Lehrling sucht, und dazu auf einem Gebiet das weit weg ist vom erwünschten (z.B. Informatik).

All diese Probleme sind aber markt- und betriebsbedingt. Sie auch noch der Schule in die Schuhe schieben zu wollen ist ein Witz. Bereits sie als “Kompetenzen” zu bezeichnen ist ein Witz … ausser man sehe diese Kompetenz, zynisch wie es ist, als Begabung des So-tun-als-ob.

Gott sei dank entscheidet aber nicht die economiesuisse über die Lehrpläne der Schweizer Schulen, sondern Bürger und Fachleute, die doch einen etwas breiteren Horizont haben. s. In: Auswertung der Vernehmlassung ‘Grundlagen für den Lehrplan 21′:

personale Kompetenzen: soziale Kompetenzen:
Arbeitsverhalten (BE).
Ausdauer (AG, BE, UR, ZG, LCH, BASPO, EVP, SVP CH, SVP ZH).
– Bedürfnisse (eigene) erkennen, formulieren und Hilfe annehemen können (BE, SKG, KIFS).
– Beharrlichkeit und Lernbereitschaft (AG, VSG).
– Eigenverantwortlichkeit, denn Aufträge und Befehle dürfen nicht ohne ethische und rechtliche Haltbarkeit unhinterfragt ausgeführt werden (vpod, SP AR).
Einstellungen – siehe PISA 2003 (AG).
Entscheidungsfähigkeit (BE, FR, FD-TTG, SGL, Schweiz. Rat der Religionen).
– Flexibilität (BASPO).
– Kreativität (OW, BASPO, SGL AG Religionspädagogik, DOK, ARE, BAFU, BAG, SBF, DEZA).
– Leistungsbereitschaft (SZ, BASPO, S&E).
– Motivation und Interesse (AG, LCH, BASPO, VSG).
Ordnung (SVP CH, SVP ZH).
Pünktlichkeit (ZG, SVP CH, SVP ZH).
– Selbstvertrauen und Selbstkonzept (AG, LCH).
– Sorgfalt und solides Arbeitsverhalten (ZG, EVP).
– Umgang mit eigenen Grenzen (Schweiz. Rat der Religionen).
Urteilsfähigkeit (LU).
– Sorgfalt (UR).
– Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme (LCH).
– Wahrnehmungsfähigkeit (tps).
– Zuverlässigkeit (UR, ZG, BASPO, SVP ZH, SVP CH).
Lebenssinn erkennen (Erdcharta / CH).
  • Beziehungsfähigkeit, umbenannt in Beziehungs- und Gemeinschaftsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit (also vielleicht: Umgang mit Einfalt - im Gegensatz zum Folgenden:)

Anerkennung unterschiedlicher Rollen (BfU).
– Aufgreifen der Idee der Emotionalen Intelligenz (SO, BASPO).
Empathie und Solidarität (BASPO, ARE, BAFU, BAG, SBF, DEZA).
Erkennen von Handlungsalternativen (BfU).
Ethische Kompetenzen (SGL AG Rhythmik).
Gender- und Gleichstellungsthematik (BE, vpod, LCH).
– Generationenfragen (BE).
Hilfsbereitschaft im Umgang mit anderen Menschen (FVS).
– Integrationsfähigkeit (BASPO).
Interkulturelle Kompetenzen (BE, FR, NW EDK-AG Migration, KBM D-KoGS, Erdcharta).
Menschenrechtliche Handlungskompetenzen zwecks Kenntnis und Verteidigung eigener Rechte und Anerkennung und Verteidigung der Rechte anderer (vpod, SP AR).
Respekt und Fairness gegenüber Mitmenschen, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit des Zuhörenkönnens (EVP, Erdcharta).
– Selbstsicheres Auftreten (BS).
– Sexuelle Orientierung (BE).
– Soziolinguistische – interkulturelle Kompetenzen (GS EDK).
Unterschiedliche Lebensformen und -entwürfe (BE).
– Verantwortungsbewusstsein (AG, BE, SGL AG Religionspädagogik, Schweiz. Rat der Religionen, FVS, BfU).
Wertebewusstsein, Wertvorstellungen erkennen und ausbilden (Schweiz. Rat der Religionen).
– Zusätzlich wird die Bereitschaft zur Übernahme von Freiwilligenarbeit für das Gemeinwohl postuliert. (LCH).

Methodische Kompetenzen Zusätzlich geforderte Themen:
  • Sprachfähigkeit: Umbenennen in Kommunikationsfähigkeit (OW, SZ), Ausdrucksfähigkeit (OW, VS, tps, astej), wortsprachliche und bildsprachliche Fähigkeiten (FR, vpod, LCH, HKB), verbale und visuelle Literalität (FR), Sprach- und - Symbolfähigkeit (Schweiz. Rat der Religionen)
  • Ergänzen um: Non-verbale Ausdrucksfähigkeiten;
  • Informationen nutzen, Umgang mit Informationen und Medien
  • Aufgaben, Probleme lösen
  • Handlungsfähigkeit (LU).
  • Lernreflexion (OW).
  • Umgang mit Ästhetik (VS).
Kulturelle Bildung
– Ästhetische Bildung
Lebensgestaltung:
Alltags- und lebenspraktische Fragen:
Fächerübergreifendes Arbeiten:
– Friedensförderung
– Genderbewusstsein;
– Integration (BE, VS, Schweiz. Rat der Religionen)
– Menschenrechtsbildung:
Interkulturalität: Umgang mit Multikulturalität, Heterogenität, Globalisierung und Migration ist möglicherweise in anderen Themen wie Nachhaltige Entwicklung integrierbar
Globales Lernen:
– Mehrsprachigkeit
Technikverständnis:
Life Science:
Sicherheit: Unfallprävention in Strassenverkehr, Sport, Haushalt und Freizeit basiert auf der Übernahme von Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zur Erhaltung und zum Schutz der körperlichen Unversehrtheit und des psychischen Wohlbefindens.
Umweltbildung

Vergleichen wir nun diese Tabellen mit obigen Erhebungen, bei denen die Schulabsolventen offensichltich bloss unfähig und desinteressiert sind, also Deutsch und Mathematik zu lernen haben, um dann in den Betrieben richtig verwendet werden zu können, sehen die Pädagogen doch andere Probleme wie Chancen:

  1. Nicht unbedingt die Sprache ist das primäre Problem, sondern die Kommunikationsfähigkeit, die aber weniger von Grammatik als von Wahrnehmungsfähigkeit, Ausdrucksfähigkeit, Geschick im Umgang mit Medien, Beziehungsfähigkeit und vor allem Konfliktfähigkeit abhängt.
  2. Nicht unbedingt die Mathematik ist das primäre Problem, sondern (wieder) Wahrnehmungsfähigkeit, Lernfähigkeit, Symbolfähigkeit, Technikverständnis, Urteilsfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit
  3. Nicht mangelnde Unterwerfung unter Disziplin und Leistungsforderungen, nicht Achtung und Respekt basierend auf Status sind das primären Problem, sondern der fehlende Sinn des Ganzen, der fehlende Lebenssinn, Sinn der Tätigkeit, der Produkte, fehlende Werte, fehlender Respekt gegenüber den Untergebenen, also ein bekacktes Rollenbewusstsein - an dem aber nur andere Arbeitsformen was ändern könnten, nicht Dressur in der Schule. Dies ist zugleich Ursache von fehlender Motivation und Engagement.

Bei den ersten beiden Problemgruppen mag Schulbildung abhelfen, bei der 3. müssen sich die Betroffenen politisch engagieren, da hilft ihnen niemand. (Mit “Betroffenen” mein ich hier die Lehrlinge, nicht die armen Lehrmeister).

So weit, so gut (oder eher: so schlecht). Vergleichen wir doch mal mit den Anforderungen, welche die Wirtschaft heute wirklich stellt, an ihre Führungskräfte. Die folgende Graphik ((BCG Organisationssurvey “Organisation 2015) ist eindeutig veraltet, aber hier bereits sehen wir, dass die vielgelobte Mathematik eine recht unbedeutende Position einnimmt. Weitaus wichtiger ist das Verständnis für Strukturen und Funktionen, das Wissen um die Methoden, wie diese treffend erfasst werden können (Statistik z.B., womit Mathematik natürlich auf recht hohem Niveau wieder im Spiel ist).  Eben so wichtig die Sprache, aber vor allem die Sprachwirkung, also Rhetorik, Präsentation, Wirkung der Sprache, verstärkt durch entsprechende Kenntnisse der Psychologie.

Heute sind die Bedingungen noch härter:

Moderne Organisationsabteilungen bestehen aus Change-Managern und IT-Managern.

  • Reine Betriebsorganisation ist nur noch selbstverständliches Grundlagenwissen
  • Strukturierungswissen wird als selbstverständlich angenommen
  • Prozessoptimierungswissen ist selbstverständlich
  • IT-Wissen ist selbstverständlich
  • Wissen über das Verhalten in Organisationen
  • Kommunikationsgestaltung
  • Insbesondere Kommunikationsgestaltung in Projekten organisatorischen Wandel.

Bei all dem Wissen, das hier als “selbstverständlich” vorausgesetzt wird, wundert es wenig, dass mancher Manager leicht den Uberblick verliert und sich lieber etwas verbirgt. Es wundert so auch  wenig(er), warum von Schulabsolventen derart viel verlangt wird. Das Problem allerdings bleibt bestehen, nämlich dass die Auffassungsgabe unterschiedlich  verteilt - und eigentlich bei allen doch eher beschränkt ist.

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