Februar: Rechtordnung / März-April: Adam Smith
Es ist mal wieder Zeit für einen Ueberblick über die hier nicht sichtbaren Publikationen der letzten 3 Monate. Hier kam nix Neues, weil ich mich im Februar intensiv mit dem befasst habe, was unsere “gute Ordnung” darstellt, nämlich das Rechtssyste: Rechtsordnung und Methodik des Rechts / Rechtsphilosophie: Wie lässt sich Recht begründen? und Rechtssoziologie: Was lässt sich mit dem Recht wirklich bewirken?
Gerade weil das Recht, also auch die Politik, deren fast einziges Kind sie ja ist, aber nicht das Glück der grösstmöglichen Zahl schaffen kann, sondern bloss dem Unglück wehrt, galt es danach mal sich mit dem Urvater der freien Marktwirtschaft zu beschäftigen, mit Adam Smith: Biographie, Theorie der ethischen Gefühle und das bekannteste, Der Reichtum der Nationen. 2000 Seiten an Rohmaterial, zu lesen und zu verarbeiten. War aber den Aufwand wert, denn Smith ist ja derjenige, der heute am meisten propagandistisch verquantet wird von der Wirtschaft. Und das meiste was von diesen Kreisen behauptet wird: Smith hat gesagt, der Markt verlangt, etc. ist schlichtweg nicht wahr, wurde von Smith nie gesagt, oder er war sogar gegenteiliger Meinung zu dem, was ihm heute untergejubelt wird. Hier nur einige prägnante Beispiele, gesamtüberblick bitte unter den oben angegebenen Links ansehen:
- Das Lustprinzip: Die Grundidee von Smith war nach Epikur eben so richtig wie sie es nach dem heutigen Stand der Hirnforschung und Psychologie ist: Der Mensch reagiert auf Reize, wird durch positive und negative Empfindungen quasi dressiert, formiert, bis zu einem gewissen Grad sogar programmiert.
- Fundament der Wirtschaft ist der Nutzen: Dieser wurde und wird enorm gefördert durch Arbeitsteilung, Interessenharmonie, Unabhängigkeit von persönlichen Gefühlen für oder gegen “Kunden” - dies der Hauptgrund, warum Smith den Markt eigentlich als höchst soziale Organisationsform ansieht.
- Der grösste Schwindel liegt heute bei der Verlagerung der sog. <unsichtbaren Hand> - die den Markt von alleine, ohne menschliches Zutun, ohne staatliche Regeln, in Ordnung bringt - in die Transzendenz, ins Nirwana. Bei Smith war diese Hand so unsichtbar nämlich nicht, denn meist bezeichnet er diejenigen Kräfte, die eben trotz individuellem hemmungslosem Streben nach persönlichen Vorteilen für Ordnung sorgen als <den neutralen Beobachter>. Smith und die Unternehmer/Händler des 18. Jahrhunderts waren noch viel stärker in die Gesellschaft eingebunden, als unsere globalen Vagabunden heute. Lob und Tadel der Gesellschaft entschied über Ansehen oder Ausschluss, ev. Untergang. Genau diese korrektive Funktion wird ja heute gerne von NGOs übernommen. Die neoliberale Kritik an solcher Kritik ist verlogen, denn genau das war und ist das System, das - gmäss Smith - doch noch für Ordnung zu sorgen vermag.
- Der Kern des Problemes, das uns Smith mit seiner Idee des freien Marktes hinterlässt:
In die Stärke, Feinheit und Vollkommenheit des herrschenden Prinzipes wurde von Plato die wichtige Tugend der Klugheit gesetzt, die seiner Ansicht nach in einer richtigen und klaren, auf allgemeine und wissenschaftliche Vorstellungen gegründete Erkenntnis der Zwecke besteht, welche schicklicherweise angestrebt werden sollten, und in der Erkenntnis der Mittel, die zur Erreichung dieser Zwecke die schicklichen und richtigen sind. [S. 452]
Heute (seit dem Positivismus und Max Weber [Werturteilsstreit] ist es weder Sache der Wissenschaft, heute nicht mal mehr der Kirche, Werte zu begründen, also besetzte die Wirtschaft dieses Loch - mit materiellen Werten und Preisen.
Die Wirtschaft, so unabhängig von jeglicher Bewertung ausserhalb der buchalteerischen, postulierte Geldvermehrung als einziges Ziel der Klugheit.
Weisheit adee. Mässigkeit, die zur Harmonie der Seele führt, Gerechtigkeit, die zur Harmonie der Gesellschaft führt, wurden von den Wirtschaftspäpsten exkommuniziert.
Und den Zustand, wursteln ohne Wertorientierung, nenn’ ich <das Schnöselprinzip> (alias Leistungsschwindel). Die wichtigste Erkenntnis daraus: Auch die Leistungsgesellschaft ist ein Betrug, denn Leistung bedeutet Produktivität, also Wertvermehrung pro Zeiteinheit - nicht bloss Arbeit pro Zeiteinheit. Die produktivsten Arbeitsplätze sind aber nur per Schnöselprinzip zugänglich, der und die normale Angestellt hat da wenig Einfluss darauf, in welcher Produktivitätszone (Branche) sie oder er landet.