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INHALT:

1 Definition Armut
   1.1 Begründung der reellen <relativen> Armut
   1.2 Begründung der sozialen <relativen> Armut
   1.3 Der Wunsch zu den Gewinnern,zu gehören.
   1.4 Freiwillige Armut
2 Theorie der Armut
3 Ursachen, Armutsrisiken
  3.1 Bildung - Ursache oder Heilmittel der Arbeitslosigkeit?
   3.2 Innovative und produktive Branchen
   3.3 Die Peripherie, der Rand, produziert ebenfalls randständige Gesellschaft
   3.4 Kinder sind der häufigste Grund für Armut
4 Folgen der Armut
5 Bedingungen und Projekte zur Förderung der Armut
6 Divergierende Interessen der Akteure führen zu kaum brauchbaren Lösungsansätzen
   6.1 Die Wirtschaft wünscht sich: Tiefe Löhne und hohe Gewinne
   6.2 Die Gesellschaft wünscht sich: Hohe Löhne - hohe Freiheit - aber Erhaltung der nationalen Identität
   6.3 Der Sozial-Staat wünscht sich hohe Löhne und hohe Gewinne
      6.3.1 Der Sozialstaat
      6.3.2. Sozialarbeit
      6.3.3 Zwangsarbeit
7. "Lösungen"

Armut - Ein Katastrophengebiet - auch der Kommunikation

Arme - Die Verlierer im Wettbewerb um Wohlstand
 [1. Version / zur 2. Version / Reichtum und Armut (III) / FORUMsdiskussion Armut]

In der Schweiz hatten wir bereits 2004 ca. 200'000 Arbeitslose, 300'000 IV-Bezüger (davon 50% aus psychischen Gründen, davon wiederum ein vermutlich hoher Teil auf Grund von Mobbing und anderer Schwierigkeiten am Arbeitsplatz) + 200'000 working poor. Die Profite der Schweizer Firmen stiegen 2005 um 18% - die Arbeitslosigkeit und anderen Formen des Ausschlusses blieben gleich.

In Deutschland hat der Anteil der Armen laut des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) von 13% (1998) auf 15.3% (2003) zugenommen

Trotz gesellschaftlichen Reichtums herrscht Obdachlosigkeit, Armut und Hunger in modernen Grossstädten. Die Sozialhilfe-Empfänger nehmen zu, die Kriminalitätsrate steigt. Vermehrt soll Alkoholkonsum, Drogen, exzessives Fernsehen und sexuelle Promiskuität (Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern) vom innerlichen Schmerz ablenken!!

Würden sich alle working poor und andere Armen bei der Sozialhilfe melden, die weniger verdienen als das Existenzminimum, die Ausgaben würden sich in etwa verdreifachen. Das beinhaltet einerseits das Risiko eines Kollapses des Sozialstaates - wäre andererseits aber vielleicht auch eine Möglichkeit, dem Staat klar zu machen, was seine Aufgabe ist - und dass er die nicht betriebswirtschaftlich, durch Ausschluss unrentabler, durch Verlagerung ins Ausland und dergleichen lösen kann.
 

1 Definition der Armut: Armut ist Mangel an Reichtum ...

Aus den Archiven des mittelalterlichen Florenz ist ein Fall wohl dokumentiert, in dem ein Reicher seine Güter nach dem Ableben an die Armen verteilen liess. Interessant ist nun, wer damals als "arm" galt. Es waren beileibe nicht nur die Bettler, Weisen, Witwen und andere vom Schicksal geschlagenen, sondern expressis verbis - die Lohnabhängigen. Der Haushaltsvorstand, der von einem Auftraggeber für seinen Lohn abhing und für seine Familie eine Wohnung mieten musste, galt als arm, da er über kein eigenes Potential verfügte, keine Finanz- Macht. Der Zwang, sein Leben durch Lohnarbeit zu erhalten war ein Zeichen dafür, dass der betreffende zum Bodensatz der Gesellschaft gehörte. Und präzise in diese Position sollen wir heute alle wollen.

http://www.brainworker.ch/Orientierung/ordnungsmodelle.htm#armut

ARMUT IST RELATIV 1, genau so relativ wie Reichtum (was ich durch den dämlichen Titel versuche auszudrücken) - und das öffnet der Eristik natürlich Tür und Tor. Gegner von Sozialhilfe und der Unterstützung von Armen in der Schweiz argumentieren oft mit einem Vergleich mit der Armut in Afrika oder wirklich armen Ländern in andern Kontinenten, wo Arme auf der Strasse leben, betteln, verhungern. Das sei Armut. Hier wird offenbar nur Existenz bedrohende Armut als Armut toleriert, aber auch die soll durch "Selbsthilfe" kuriert werden.  Zudem ist der Vergleich mit der 1$-Gesellschaft aus der Perspektive der Schweiz lächerlich, denn in diesen Ländern erhält man für 1 Dollar sogar in einem Schnellimbiss eine reichhaltige Mahlzeit, oder ein paar Kilo Brot, während der $ hier nicht mal für ein Bierchen reicht. Bei den so argumentierenden äussert sich ein anderer Begriff der Armut, die geistige Armut.

In der Schweiz, generell in Europa, ist also die relative Armut entscheidend, nach der als arm bezeichnet wird, wer weniger als die Hälfte des medianen Einkommens erzielt (Median: von 50% über/unterschritten, nicht Mittelwert, denn der liegt um einiges höher, verursacht durch Spitzenlöhne.)

Dieser Median betrug im Jahr 2004 5548 Fr., als arm bezeichnet werden darf/muss/kann also wer über weniger als 2774 Fr. verfügt (brutto, allerdings nach Abzug der Sozialabgaben, was heisst, dass diese Grenze für selbständig Erwerbende ca. 10% höher liegt, also bei einem Einkommen von rund 3000 Fr.

In der EU gilt als Arm wer mit weniger als 60% des Nettoäquivalenzeinkommens leben muss. An anderer Stelle wird hier allerdings von Nettodurchschnittseinkommen geredet, das für Deutschland im Westen bei 1217 € liegt, im Osten bei 1008 €, was eine 60%-Armutsgrenze von 730.20  € (1212 Fr) im Westen und 604.80 € im Osten ergibt. Das doch deutlich höhere Existenzminimum in der Schweiz (834 Fr. + Miete (max. 600 Fr.), Nebenkosten & Krankenkasse) liegt also in den eben so deutlich höheren Lebenshaltungs- vor allem aber Mietkosten und der Krankenkasse begründet. Was den Grundbedarf betrifft sind die Schweizer Sozialhilfeabhängigen kaufkraftbereinigt nicht viel besser dran als ihre Deutschen Kollegen.

Bereits hier das erste Argument, dass die Diskussionen um "Sozialschmarotzer" erledigen sollte, denn jemandem vorzuwerfen er sei ein Schmarotzer, der mit knapp 2000 Fr. (Grundbedarf 960, Wohnung max. 600, Krankenkasse) also nicht bloss der Hälfte, sondern bloss einem Drittel des mittleren Einkommens auskommen muss, ist eine grandiose Frechheit.

Einige weitere Definitionen von Armut [nach Gabriele Gillen: Hartz IV. Eine Abrechnung. rororo 2005. S. 145-6]

[Manuel Castells: Jahrtausendwende. Das Informationszeitalter III. Leske + Budrich, Opladen 2003. S. 135 ff.]

Auch in den USA sind bei Männern nur noch die hohen Löhne gestiegen oder gehalten, bei Frauen zeigt sich dazu noch ein leichter Anstieg der mittleren Löhne. Auch hier kommt eine Familie ohne Doppelarbeit nicht aus. Dies ist allerdings im Lande der Freiheit immer weniger möglich, da die Arbeitslosigkeit, die offiziell mit 4.6% angegeben wird, sich in der Realität auf 6.7% beläuft, rechnet man die Ausgesteuerten mit ein, die dank der kurzen Bezugsdauer von Arbeitslosengeldern reichlich vorhanden sind.

Die Graphik oben zeigt, dass seit 15 Jahren die Löhne vom wirtschaftlichen Wachstum eh abgekoppelt sind - mit Ausnahme der Löhne der Chefs natürlich. Dieses, obwohl schwach, kommt also bloss den Aktionären, dem Kapital zugute. (s. Börsenkurse). Graphik rechts: deutliche Verschiebung in bloss 8 Jahren: Absenkung des Anteils der Medianlohn-Verdienenden, Anstieg des Anteils der minimal Verdienenden - wie der leicht besser verdienenden.

Das wahre Problem kommt hier, wie auch in einer detaillierteren Analyse der Lohnverteilung nicht zu Ausdruck, denn es würde sich erst zeigen, wenn man Lohn mit Wertzuwachs vergleichen könnte. Die letzten Jahre florierte ja die Wirtschaft, dennoch stagnierten die Löhne. Der gesamte Mehrwert ging also an die Inhaber in Form höher bewerteter Aktien, also steuerfreier Kapitalgewinne. Proscht nägeli ... welche Leistung! ... das Volk so zu verdummen. Die <Abzocker> sind hier bloss eine unbedeutende Beilage zum Fleisch...

Dennoch wird nicht dort Geld geholt, wo es ist, sondern es wird dort gespart, wo eh nix is:

Die neuen SKOS -Richtlinien (April 2005):

Das Existenzminimum wurde um 10% gesenkt von 1110 auf 960 Grundbedarf pro Monat. Der Ansatz richtet sich nicht mehr wie bisher an den ärmsten 20% aus, sondern an den ärmsten 10%

Unter das Existenzminimum darf die Unterstützung eigentlich nicht gehen - solange die Verfassung noch das Existenzrecht garantiert. Dies wird allerdings längst und dauernd unterlaufen, da bei "Nichtkooperation" (Annehmen jeden Scheissjobs der vom Amt vorgeschlagen wird, ungenügende Arbeitsbemühungen) die Leistungen um 10% gekürzt werden können, womit auch dauernd gedroht wird. (Sonst fällt den Leuten eben auch da nix ein ... Apropos Schmarotzer ... also "gratis" ist hier nix, denn wer "seinen Lohn" beim Sozialamt holt, hat "lebenslänglich", oft lebenslängliches Schreiben sinnloser Bewerbungen ... ausser er/sie meldet sich bei der IV, wo er/sie logischerweise ebenfalls unter Schmarotzerverdacht gerät.

http://www.brainworker.ch/Orientierung/kritische_gesellschaftstheorie.htm#soziale_klassen

Nebst der materiellen Armut (und der geistigen) gibt es  vor allem die Armut an Entwicklungspotential, womit meist soziales Entwicklungspotential gemeint ist, von dem das wirtschaftliche doch meist abhängt. Arme haben ein materiell derart beschränktes Freiheits- und Entwicklungspotential, dass nur noch Existenz erlaubt, aber keine Entwicklung des Seins. Einfacher ausgedrückt:

Der Sinn des Lebens für Arme ist reduziert auf das pure Überleben. 

(s. rechts: Bedürfnispyramide nach Maslow)

Was die Sparbegeisterten offenbar total vergessen, ist die Tatsache, dass die Armen, je mehr man bei ihnen spart, um so weniger Freiheitsgrade bleiben, sich zu entwickeln (etwa Kurse zu besuchen, oder auch bloss den Stammtisch), etwas zu lernen, sich umzutun, zu lesen (Zeitungs- und Zeitschriftenabos sind ein beträchtlicher Budgetposten, wenn einem nur 800.- Fr. pro Monat zur Verfügung stehen, mit denen man aber noch Telephon, Strom, Fernseh-Radio, Abzahlung alter Schulden etc. finanzieren sollte, mitzureden, mitzudenken. Sie werden mit jeder Sparübung noch eine Stufe weiter versenkt in den Sumpf, aus dem sie sich an den eigenen Haaren herausziehen sollten ....

1 Meist unsinnige Definitionen absoluter Armut:

  • Weltbank: 1 $ pro Tag: Damit wären Sie in Europa nicht arm, sondern tot.

  • WHO: Armut nur dort, wo Existenz durch Nahrungsmangel bedroht ist:

Diese cost-of-basicneeds Methode orientiert sich an Grundbedürfnissen, die jeweils nach lokalen Gegebenheiten definiert werden. Von der WHO (der Weltgesundheitsorganisation) wird alternativ die Food energy method verwendet. Hierbei orientiert man sich an der Menge von Nahrungsmitteln, die eine minimale Nahrungsaufnahme in kcal pro Person garantieren. Die Weltbank hat diese Methode übernommen und den Bedarf auf 2500 kcal pro Person im ländlichen Raum festgelegt. In den Städten wird der Bedarf mit 2100 kcal angegeben.

Die Verwendung von Indikatoren zur Messung und Beschreibung von Armut bleibt allerdings ein Gegenstand der Kritik, weil die Erfahrung der Armut, der sozialen Ausgrenzung nicht nur nicht objektivierbar ist, vielmehr drückt die Armutsstatistik auch ein implizites Werturteil aus, das Armut in eine globale Marktwirtschaft und deren Wertesystem einordnet, ohne diese Wirtschaftsform selbst zu hinterfragen.

Michel Chossudovsky, einer der pointiertesten Kritiker der Armutsmessung, sagt: „Die Armutsschätzungen von Weltbank und UNO sind also größtenteils Übungen von Bürokraten in Washington und New York, für die die Realitäten vor Ort ein Buch mit sieben Siegeln sind.“ In den Armutsstudien der Weltbank und des UNDP werde die Erfahrung der Armut „bewusst verborgen“.

  • Am deutlichsten aber wird die Relativität von Armut durch einen Indikator von Townsend, mit der für England Armiut eindeutig identifiziert werden kann - nach dem aber auf dem Kontinent praktisch alle in Armut leben würden: Has not had a cooked breakfast most days of the week. Denn wer in aller Welt (ausser den Jemeniten und Irakis vielleicht noch) kocht und brät zum Frühstück nicht bloss Eier, sondern gleich Würste, Speck, Kartoffeln, Leber, Fisch etc.


1.1 Begründung der reellen <relativen> Armut

Penn- und Balassa-Samuelson-Effekt haben zur Folge,
dass man in einer wenig produktiven Gesellschaft mit weniger Geld leben kann,
in einer auf Produktivität ausgerichteten aber, und das dürfte die Krux sein, viel Geld braucht
- also gar nicht mehr die Wahl hat, auf Subsistenzniveau oder sonst irgendwie bescheiden zu leben.

Penn- und Balasa_Samuelson-Effekt sind also gleichzeitig die Peitsche, mit der uns die Wirtschaft zu immer grösseren Anstrengungen zwingt und damit verhindert, die Früchte der Arbeit zu geniessen.

Penn- und Balasa_Samuelson-Effekt sind der schlagende Beweis dafür, dass "Wirtschaft" mit Freiheit nicht mehr am Hut als als die viel geschmähte Politik.
Sie verfügt einfach über die viel listigeren Zwangsmittel.

1.2 Begründung der sozialen <relativen> Armut

Sozioökonomischer Status (ISEI) und Berufsprestige (SIOPS) für einige Berufe:

Für Gerhard Scherhorn [Geld - Werkzeug oder Lebensziel des Menschen? in: Die Wachstumsillusion im Konsumverhalten. Binswanger S. 213-230] liegt der Zwang zum Wachstum auf dem Streben nach positionalen Gütern, also Gütern, die unsere soziale Position präsentieren. Dadurch wird Armut nicht zum Verschwinden gebracht, im Gegenteil, da auch Wohnung inzwischen zum dominanten Statussymbol geworden sind und durch Nachfrage nach mehr Wohnraum knapp, verschärft sich der Abstand zwischen Arm und Reich auch mit Wachstum weiter.

http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/wachstum.htm

1.3 Begründung der psychosozialen relativen Armut: Der Wunsch zu den Gewinnern, zur Elite, zur goldenen Horde zu gehören.

Die Gesellschaft definiert sich über Beziehungen. Die soziale Stellung zeitigt also eine effektive, reelle Auswirkung auf die Psyche, je nachdem wie erfolgreich oder erfolglos sich der/die einzelne zu positionieren vermag.

Im Falle der Armen, die von Wirtschaft und Gesellschaft weitgehend ausgeschlossen sind, zeigt sich leider bei den Armen keinerlei "Klassenbewusstsein", wie es von Marx und Lenin angenommen wurde, sondern isolierter individueller oder höchstens in kleinen Splittergruppen organisierter Widerstand bei den Unangepassten, den Linken; Frustration (Läckmeramarsch, no future) bei den auch politisch desinteressierten, die deswegen nicht unbedingt in der Mitte stehen, sondern meist rechts; und Zorn, Wut, Ärger, Frustration bei den Statusorientierten, die ganz bewusst eine dienende und unterlegene Stellung als Auftrag- oder Arbeitnehmer, als Befehlsempfänger akzeptieren - aber aus andern Gründen, meist ungenügender Bildung, die wiederum meist auf schwacher Intelligenz, teilweise aber auch auf fehlenden Mitteln und Chancen, deuten. Das klassische SVP-Mitglied also, was Mitläufer betrifft, die populistisch über den Tisch gezogen werden und sich gleich für die Interessen der Herren einsetzen.

Das traditionelle Arbeitermilieu sieht sich ebenfalls klar als dienend, hat aber einen gewissen Stolz auf seine Arbeit bewahrt und kann sich manchmal, allerdings mit meist selbstausbeuterischer Selbständigkeit/Outsourcing durchbringen.

Da sich die Exklusiven, die Elite, die wirtschaftlich herrschende konservative Schicht vor allem durch <Leistung> definiert, müssen wir auf den Begriff kurz eingehen. Leistung leitet sich ab vom Leisten, bei dem der Schuster bleiben soll (heute nennt man das gerne "Kernkompetenz") - und ist zudem nahe verwandt mit List, dem cleveren Verfolgen einer Spur. Hier offenbar sich die Zwiespältigkeit des Leistungsbegriff, denn die Spur muss erst gelegt worden sein, der Leisten definiert, was dazu führt, dass nur monetarisierte Leistung als solche anerkannt wird - ein Problem, auf das vor allem die Frauenbewegungen immer wieder hingewiesen haben (Hausfrauenlohn).

Leisten bedeutet auch be-folgen, was klar macht, warum Arbeitslosigkeit und Armut weder durch Innovation bei den Betroffenen noch durch Bildung, die eigenständiges Denken erlaubt zu lösen ist, sondern bloss durch braves Folgen der Vorgaben. Eigenverantwortlichkeit zu rufen ist also Betrug, denn gefordert ist eigentlich bloss getreue Gefolgschaft und Beherrschung einer bestimmten Funktion, oder mehrerer Funktionen, so dass der/die Betreffende flexibel eingesetzt werden kann. Allerdings darf dieses Wissen auch nicht zu hoch sein, sonst kriegt der Chef angst, verdrängt zu werden, das klassische Problem der Überqualifikation..


1.4 Freiwillige Armut

Einst bat ein Mann, der sich als Philosoph ausgab, Musonius um eine milde Gabe. Dieser liess ihm eine beträchtliche Summe auszahlen. Als man ihm vorhielt, der Mann habe einen zweifelhaften Charakter, gab er zur Antwort, dann sei ihm auch das Geld angemessen.

Max Weber hielt Wettbewerb, harte Arbeit, Geiz und eine primär wirtschaftliche Motivation nicht für "die Natur des Menschen", sonder für ein angelerntes Verhalten.

http://www.brainworker.ch/Orientierung/gesellschaftsmodelle.htm

Geld ist besser als Armut, wenn auch nur aus finanziellen Gründen.

Woody Allen

Der grosse Vorzug adliger Abkunft ist, dass sie die Armut besser ertragen lässt.

Friedrich Nietzsche: Morgenröte

Dies ist kein Witz, denn das gab es immer und gibt es auch in unserer materialistischen Zeit noch. Bewusst arm lebende, also sich nicht an Geld und Besitz orientierende, finden sich allerdings nicht bloss in Klöstern, sondern wieder, immer mehr, in Universitäten und alternativen Bewegungen, die Nachhaltigkeit nur dann sehen, wenn Bescheidenheit wieder ein Argument wird neben Wachstum, Karriere, Wohlstand etc. Subsistenz, produzieren um zu über-leben, sich nicht der Produktion als alleinigem Lebenszweck unterwerfen ist hier die Devise, die den Europäern durch die Nazis ausgetrieben wurde mit der Förderung der Produktionsgesinnung, die, gediehen zum Produktivismus, heute weltweit herrscht.

Die sprichwörtliche Armut, ja das Elend, von Forschern, Erfindern, Künstlern und Poeten zieht sich ja durch die Jahrhunderte. Dieses Topos ist im Denken so eingebrannt, dass man sich bloss wundern kann, warum sich die Wirtschaft wundert, dass es zu wenig Innovatoren gibt, denn echte Innovatoren, also Erfinder, Entwickler, "Propheten", standen und stehen immer neben der Gesellschaft, sind Aussenseiter, werden geächtet, verlacht ... und nicht bezahlt - denn bei Bankerotteuren lässt sich billig einkaufen. Warum sollte sich jemand in der Marktgesellschaft auf so einen Deal einlassen? Dies um so mehr als Untersuchungen betr. Wirtschaftswachstum ganz klar zeigen, dass Innovation erst als dritter Faktor ins Spiel kommt, nach Kernkompetenz und Marktbeherrschung (Marktposition genannt).

Ein bekanntes Beispiel dürften Marie und Pierre Curie sein, die beide eine unbändige Lust am Forschen hatten. Bis sie 1903 und 1911 zwei Nobelpreise erhielten (der letztere ging an Marie alleine, da Pierre 1906 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war), lebten sie in äusserster Armut, ja sie mussten sogar den Rohstoff für ihre Forschung, die Pechblende, aus der eigenen Tasche bezahlen. (Wenn Sie denken, das sei heute alles viel besser .... na dann träumen Sie mal ...) Marie Curie hatte erst seit 1904 eine bezahlte Stelle als Assistentin ihres Mannes erhalten.

Die Aussenseiterposition, d.h. der Ausschluss von Wissenschaftlern und Denkern aus der Gesellschaft, ist uralt. Viele bezahlten für ihr Denken mit dem Leben, wie damals Sokrates. Gaben sie nicht gleich Grund, sie nieder zu machen, so wurden sie zumindest diskriminiert und verächtlich gemacht, wie die Doktoren im Mittelalter: Scopae dissolutae (verfranste Besen), einfältige und zerfahrene Menschen die untereinander nicht harmonieren, oft sogar zur Unterschicht gehören, sich also nicht standesgemäss benehmen, sich oft kaum des Hungers erwehren können. "Armut" wurde gleich gesetzt mit einem kleinbürgerlich-engen Horizont: Während man selbst in der Lage sei, jährlich zu prasente und erogationes, also Spenden, zu geben, wisse man dieses von Gelehrten nicht, und um das Kleinbürgerliche ins Egoistische zu wenden hiess es noch, die Doktoren würden "lieber nehmen als geben". [s. Sozialer Aufstieg durch Bildung - und das Aufkommen des akademischen Prekariats - am Ende des Mittelalters.] Interessant daran ist allerdings auch, dass sich damals, bis noch vor nicht all zu langer Zeit, die "Herren" rühmten, und den Respekt verdienten (sprich: kauften), indem sie Geld für die Gemeinschaft und die Armen ausgaben - während sie heute alles tun, sich von Abgaben, Steuern genannt, zu befreien.

Auch hier herrscht eine strenge Trennung unter den Armen, denn die geistig weniger Begabten halten rein gar nichts von den sog. Intellektuellen, die's entgegen aller Behauptungen betreffend der Wichtigkeit von Bildung zu nichts gebracht haben. Die sind sogar für Arme absurderweise bloss geistig Arme. Auch dies ist der Problemlösung alles andere als förderlich.

Gewählte, freiwillige Armut findet sich aber auch noch in Religion und Philosophie, insbesondere bei der Stoa und en Kynikern. Sie brauchen mit diesen "Armen" auch kein Mitleid zu haben, denn sie wählen die Armut weil sie ihnen Gewinn ist, denn: Wer nichts besitzt, kann auch nichts verlieren, ist also frei. Dummerweise getrauen sich viel zu wenig Arme, diese Freiheit zu nutzen.

Dies dürfte wohl der Hauptgrund sein, warum Armut als Ideal den "Christen" mit Feuer und Eisen ausgetrieben wurde:

Mit dem neuen Glauben kamen nicht nur neue religiöse Strukturen und Normen, sondern auch politische und wirtschaftliche. Klöster - Bischoftümer - das Papsttum als absolute kirchliche Herrschaft, schufen Eigentumsrecht an Boden, das es unter den Kelten nicht gegeben hatte, womit sie die Bauern in die Versklavung, zumindest Schuldensklaverei trieben. Und an präzise diesen Normen entzündeten sich die Widerstände. Die ersten Häretiker, also die erste Sekte, waren die Katharer, die den Ketzern ihren Namen gaben. Sie verlangten von der Kirche, dass sie Armut hochhalte, arm sei und Armen helfe. Die Kirche wollte aber reich sein und Reichtum horten. Ähnliche Anliegen wurden von Bettlerorden wie den Dominikanern, Franziskanern, Augustinern und Karmelitern vertreten, deren Vertreter dann oft im Feuer endeten.

http://www.brainworker.ch/Geschichte/raubritter.htm

Kein Mensch ist arm zu nennen, er ab und zu tun kann, was ihm Spass macht.

Dagobert Duck

 Es zeigt sich hier ein weiteres Problem des Besitzes - und ein echter Vorteil von Armut, den Jesus nicht genug loben konnte, der allerdings im Mittelalter und insbesondere durch den Protestantismus aus der christlichen Religion ausgetrieben wurde: Wer besitzt, wird genau so vom Besessenen besessen. OK, tönt im ersten Anlauf etwas spinnert, also ein paar Beispiele:

Ein Begriff der Armut ging bei uns im Westen offensichtlich klar verloren. Er drückt sich im arabischen meskin aber noch deutlich aus. Dieses meint etwas ähnliches wie das biblische: Selig sind die geistig armen - wobei ich allerdings auf einen Kniff der Übersetzer tippe, was den Zusatz "geistig" betrifft. Denn mit dem Zusatz wird dieser Typ von Armen etwas zu dummen, dämlichen, was aber nicht ganz die Meinung war. Das arabische meskin bezeichnet nämlich damit klar einen Menschen, der nicht dämlich, aber unschuldig, direkt, gerade aus, ehrlich, undiplomatisch, also nicht gerissen ist, der sich also nicht der Ehre oder des Geldes wegen verkrümmt. Dass es diese Bedeutung nur noch im Arabischen gibt, und vermutlich einer Reihe afrikanischer Sprachen, zeigt die Folgen der kollektiven kulturellen Gehirnwäsche die wir seit dem Aufstieg des Kapitalismus durchgemacht haben und die im Detail durch Sombart und Veblen beschrieben wurden:

Sombart beschreibt die Entwicklung von vorräuberischen Wilden, die er charakterisiert als: schwache Taugenichtse mit ungenügender Leistungsfähigkeit, Mangel an Initiative und Erfindungsgeist - aber übermässiger Nachgiebigkeit und träger Liebenswürdigkeit. - Allerdings, diese wiesen in hohem Masse für das kollektive Leben förderliche Eigenschaften auf wie: Wahrheitsliebe, Friedfertigkeit, guter Wille, Interesse an Menschen und Dingen, das weder vom Wettbewerb noch von Neid gefärbt war.

Dies im Gegensatz zu den Eigenschaften, welche die Erwerbswirtschaft erfordert: Schlaues und skrupelloses Verhalten / Motive: Ehrgeiz, Prunksucht, Protzerei und Machttrieb.

Sombart betont die wichtige Bedeutung, von Jagd und Sport für die müssige Klasse, die sich jedoch als Hochleistungsathleten sieht. Für ihn erfolgt der Eintritt in die müssige Klasse über die Finanzberufe. Da bei den pekuniäre Tätigkeiten gewisse räuberische Fähigkeiten und ein gewisse räuberische Geisteshaltung bewahrt und gepflegt werden, gleicht der Finanzmann dem Kriminellen, beide haben verwandte Temperamente: Vorliebe für Sport und Glücksspiel, Freude am Wettbewerb um seiner selbst willen, Abergläubisches Vertrauen auf Glück und Schicksal (servile Frömmigkeit).

2. Theorie der Armut

„Armut ist ein Zustand, in dem Menschen unzureichende Einkommen beziehen“.

[Paul A. Samuelson, William D. Nordhaus: Volkswirtschaftslehre, Übersetzung der 15. Auflage, Wien 1998, 427
DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung. 75.  Jg.. Heft 1 / 2006]

Karl-Heinz Brodbeck beschreibt diesen Ansatz in seiner "Ökonomie der Armut" als fragwürdig, da Armut nicht bloss ein Zustand, sondern ein Prozess ist, Einkommen rein monetär definiert und "unzureichend" ist äusserst subjektiv. Logischerweise hat so die paupertas, die Armut, immer privaten Charakter. Dies insbesondere in einer von wirtschaftlichem Denken beherrschten Gesellschaft, denn Oekonomie ist die Wissenschaft davon, wie man reich wird, nicht, wie man Armut verhindert oder behebt. Arme sind also immer (noch) Ausschuss der Prozesse die Reichtum schaffen. (meine Definition).

Eine modernere Theorie ist die der Verwirklichungschancen, die sich wiederum als "capabilities", also als Fähigkeiten definieren lassen. Diese sollte man nun aber nicht leichtfertig in Wissen übersetzen, von dem sich dann behaupten lässt, dass sich das jeder aneignen könne. Capabilities, die Fähigkeiten des Einzelnen etwas zu unternehmen, gerade im Bereich Wirtschaft, hängen nämlich primär von den Investitionsmöglichkeiten und vom vorhandenen Kapital ab - das bekanntermassen sehr ungleich verteilt ist. Insbesondere führt der Mangel an der Ressource Geld bei den meisten auch zu Scham - die dann einen erfolgreiches Starten neuer unternehmerischer Tätigkeit eh verunmöglicht. Es sind primär 3 Potentiale, welche wirtschaftliche Tätigkeit behindern und so Armut begünstigen:

  1. Mangel an finanziellem Potential - Synonym dafür: Vermögen. Davon sind in Deutschland 16.8% der Arbeitsfähigen über 16 Jahre betroffen.

  2. Mangel an Bildungsabschlüssen (nicht gleichzusetzen mit "Wissen", da solche Abschlüsse eben der Schlüsse sind für gewisse Positionen - nicht das Wissen.) Davon sind in Deutschland 12.4% betroffen.

  3. gesundheitliche Beeinträchtigung (davon sind in Deutschland 3.1% betroffen)

  4. Total macht das 22.1%, also mehr als ein Fünftel der Bevölkerung, die ungenügend Potential haben um wirtschaftlich erfolgreich (= marktfähig) sein zu können.

Interessant nun ein Vergleich dieser Zahlen mit dem medialen Getöse. Invalide sind Schmarotzer, sie müssen in den Markt reintegriert werden. Arbeitslose sind bildungs-faul, sie müssen sich mehr anstrengen ... lebenslanges Lernen blablabla. Dass es der Mehrheit aber ganz einfach an Geld fehlt, geht dabei jeweils total unter.


Die detailliertere Tabelle rechts (DIW S. 27) gibt noch ein paar andere kritische Hinweise. Sie bestätigt den Mangel an ökonomischen Chancen als grösstes Problem der Disposition zur Armut (23.7%) - und zeigt auch grad, was daran schuld ist: (Zu) Tiefe Löhne! Ueberschuldung ist dann eigentlich bloss noch eine Folge davon, die das Problem gleich noch multipliziert.

Interessant aber die geringe Bedeutung welche die Ökologie hier spielt mit ganzen 2.1%. Irgendwie kommt mir da der Verdacht, dass das Geschrei um die Globale Erwärmung, die politischen Aktivitäten betr. Naturschutz, die neu sogar von Rechts aufgenommen werden, insbesondere in der Form der Grünliberalen, nur ein weiterer Stein sind, hinter dem die wahren Probleme, die Verarschung der vielen Armen durch die wenigen Reichen, versteckt werden sollen.

Ein weiterer Tarnbackstein ist die Diskussion um (zugegebenermassen wirklich) exorbitante Managerlöhne, die allerdings bloss das wirkliche Problem verstecken. Denn wo sich der Reichtum der 10 reichsten Schweizer in einem Jahr um 74 Milliarden erhöht, ist es ziemlich egal ob ein Vasella nun 4.4 oder 44 Millionen im Jahr verdient - auch er bleibt im Vergleich zu seinen Herren - ein armes Würstchen.

Lebenslage

Ein weiterer wichtiger Begriff der modernen Armutsforschung ist die Lebenslage (Otto Neurath), definiert als der Spielraum, den die äusseren Umstände dem Menschen für die Erfüllung seiner Grundanliegen bieten, die er bei unbehinderter und gründlicher Selbstbesinnung als bestimmend für den Sinn seines Lebens ansieht. (Weiser 1957).

Man könnte auch fies sein (wie ich es ja oft und gerne bin im Umgang mit solche ideologisch verbrämten Fragen), und vermuten, dass die Armut unter einem eher seltsamen und dem breiten Publikum kaum gebräuchlichen Begriff publiziert wird, damit das Problem der Verarschung der Mehrheit durch die Minderheit ... eben, s. oben. Das Selbe gilt für den Begriff Lebenshaltung, den Kurt Grelling geprägt hat. Amartya Senn, der den Menschen mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten in den Vordergrund stellt, betrachtet beide als Bündel von Funktionen.

 

 

 

Man könnte natürlich "reich werden" als primäre Strategie der Armutsverhinderung betrachten. Dazu müsste es aber jedem und jeder möglich sein, reich zu werden ... und dem ist eben nicht so, denn ....

Adam Smith :Lectures on Jurisprudence::

The government and laws hinder the poor from ever acquiring the wealth by violence which they would otherwise exert on the rich”.

Wird also eine Regierungsgewalt zu dem Zwecke eingerichtet, das Eigentum zu sichern, so heißt das in Wirklichkeit nichts anderes, als die Besitzenden gegen Übergriffe der Besitzlosen zu schützen.

Die ökonomische Tätigkeit des Menschen ist nach dieser Auffassung (neoliberal) definiert als Anstrengung, die Armut zu überwinden. August von Hayek, Grossvater des Neoliberalismus, sieht gerade in der Spanne zwischen Reich und Arm den grössten Antrieb, wirtschaftlich tätig zu werden, die Armen um den Status der Reichen zu erreichen, die Reichen um den vom Mittelstand immer wieder übernommenen, und so deklassierten Vorsprung gehobenen Lebensstils immer weiter auszubauen. Auch für den Neoliberalismus ist Armut selbstverschuldet - und kann durch Erschliessung, Eroberung eines neuen Marktes immer behoben werden. Exogene Faktoren, wie insbesondere der Staat und gesetzliche Regelungen, stören hier nur.

Bereits an diesen Annahmen zeigt sich eigentlich klar, wie absurd das System "Neoliberalismus" ist, denn es vernachlässigt die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Potentialen, es vernachlässigt die Verdrängung von kleinen durch grosse, er vernachlässigt sämtliche Marktbehinderungen, die durch Konzentration von Marktmacht selbst entstehen. Es ist also recht seltsam, dass es so viele Menschen gibt, die eine derart absurde Theorie voller Ernstes verteidigen.

Logischer scheint hier die <endogene Theorie> * der Armut, nach der Reichtum der einen nur möglich ist, wenn andere eben arm sind, und sich den Wünschen, Lohnangeboten, Arbeitsangeboten etc. der Reichen fügen müssen. Mandeville:

Das Wohl „des Ganzen“ erfordert Opfer der Individuen. Der Reichtum der Gesellschaft beruht auf der Armut der Armen, sodass „der sicherste Reichtum in einer großen Menge schwer arbeitender Armer besteht.“

Der klarste Beweis für die endogene Theorie dürfte die absolute Notwendigkeit einer Pareto-Verteilung (80/20) sein, wo Kapitalismus Fuss fassen will. Also:

Die Armut der einen ist Voraussetzung des Reichtums der anderen.

Wachstumstheorie:

Armut ist unzureichendes Wachstum, ein Fehlen an neuen Reichtümern, also potentiellem Eigentum das noch nicht verteilt, noch nicht besessen ist.

* "Exogen" und "endogen" tönt zwar gut ... ist aber verwirrend, da man ja erst das System definieren müsste, zu dem die Faktoren/Ursachen der Armut nun eben gehören (endogen) oder nicht (exogen). Sie können also endogene Armut beschrieben finden wie hier, als systemintern bedingt, Sie können aber genau so gut und oft endogen bestimmte Armut beschrieben finden als bestimmt durch dem Menschen eigene Faktoren, wobei dann eben meist propagandistisch Faulheit, Dummheit, Frechheit etc. genannt werden.

Mein eigenes Definitionsset betr. Armut kombiniert durch den Ressourcenansatz beide Aspekte, denn Ressourcen können eben durch persönliche (endogene) Faktoren genau so gut beschränkt sein wie durch systemisch (endogene) Faktoren wie die wirtschaftliche Überlegenheit der ungleichen und damit ungerechten Pareto-Verteilung.

Dass hier durch die Wissenschaften nicht mehr Klarheit geschaffen wurde, ist seltsam, denn präzise hier liegt das Problem der Sozialarbeit, der professionellen Behebung von Armut. Solange die Ursachen der Armut unklar sind (oder verschleiert werden), kann die Sozialarbeit auch keine wirksame Strategie entwickeln. Hier also

Ein 1. Versuch, Ursachen der Armut nach der Klassierung exogen/endogen zu systematisieren:
ein- oder eben ausschliessendes System. Das oben liegende System wird jeweils exogen durch das unten liegende beeinflusst. endogene Faktoren der Armut,   exogene Faktoren der Armut:  
  potentielle Massnahmen   potentielle Massnahmen
System Mensch, Psyche, Charakter, ... Faulheit

Immer mehr Arbeiten für immer mehr Konsum mag sinnvoll sein in einer Gesellschaft in der Knappheit herrscht - nicht aber in einer, die an allem übersättigt ist - ausser an Lebenssinn. Und der lässt sich nun mal nicht konsumieren.

Ist tägliches Arbeiten bis zum Umfallen wirklich Lebenszweck des Menschen?

Hier ist Sozialarbeit gefragt, denn häufig lässt sich der Ausdruck "Faulheit" vermutlich ersetzen durch Bewerbungs-Angstneurose, der Angst vor immer weiteren Absagen, vor dem Scheitern.

Eine häufige Folge davon sind Depressionen, ja Selbstmord.

Unter diesen Bedingungen sind Zwangsmassnahmen Mord.

Anreizsystem mit (zu wenig) Wettbewerb (bei den Ausgeschlossenen)

Einerseits ... andererseits: Basiert nicht karoshi, der Tod durch Überarbeitung wie er in Japan immer häufiger wird, auf einer ähnlich lebensfeindlichen Ideologie (Produktivismus/ Produktionsgesinnung) wie die islamischer Selbstmordattentäter?

Produktivismus ist Terrorismus. Produktionsgesinnung ist faschistoid. Produktivismus ist zudem dämlich, gemessen an Adam Smith' Aussage: Consumption is the sole end and purpose of all production.

Reduktion der Sozialleistungen. "Zwangsarbeit" in Beschäftigungsprogrammen <> so wenig arbeiten wie möglich, um sich den erwünschten Lebensstil leisten zu können.

Wenn Wettbewerb so weit gehen darf, dass er die Existenz einzelner, ausgeschlossener bedroht, so ist Sozialhilfe oder Grundlohn unabdingbar - es sei denn, man gestehe den Armen zu, sich wieder mit Gewalt bei den Reichen zu holen, was ihnen fehlt - was übrigens schon Adam Smith unter "weniger Staat" mit verstand.

Dummheit Nehmen wir mal objektiver die Bezeichnung IQ ... dann ist sofort klar, dass der Faktor zufällig verteilt ist und nicht der Kontrolle und Verantwortung des Einzelnen unterliegt,

also eigentlich als exogen zu betrachten ist.

Wo die einen meinen: Bildung verhindert Armut -
wissen die andern: Armut verhindert Bildung.

mh

Es ist historisch belegt (s. Mittelalter, s.  Rumänien), dass untere soziale Schichten, insbesondere Bauern, oft von der Bildung ausgeschlossen wurden, um sie in dieser Schicht zu halten ... und den Oberen keine zusätzliche Konkurrenz zuzumuten.

Das Gros der Armen zählt zu den Milieus: Bildungsunsicher, unangepasst, resigniert, traditionelles Arbeitermilieu - aber auch <statusorientierte>. Aus dem Grund kommt die SP nicht mehr zurande - und wandert diese Schicht zunehmends zur SVP, die zwar laut und überheblich Lösungen verspricht, die Betroffenen aber in die Irre führt und für eigene Zwecke (Konservative Absicherung der Goldenen Horde) ausnutzt.

Auch hier ist zu fragen: Sind Hilflose und Ratlose einfach die heutigen "Neger" des wirtschaftlichen Erfolgs? Geschieht ihnen recht? Sind sie eines menschenwürdigen Lebens unwürdig?

Auch hier ist Sozialarbeit gefragt, denn "Dummheit" lässt sich hier häufig ersetzen durch Unwissenheit betr. Unterstützungsmöglichkeiten, Hilflosigkeit.
   zu geringe oder falsche
         Ausbildung
   deshalb ist Ausbildung auch eher ein Verfahren, um Zugangberechtigungen für gut bezahlte Jobs zu verteilen ... als der goldene Weg, jeden und jede zum Chef zu machen
Frechheit

Jein - denn gerade hier zeigt sich, was Wettbewerb nicht bloss Sieger schafft sondern mehr noch Verlierer. Sozialhilfeabhängige sind vielfach im Markt derart gebeutelt worden, dass sie entweder zufrieden sind, überhaupt noch auf dem Minimum existieren zu können, ein Minimum, dass sie oft jahrelang bei härtester Arbeit und grössten Risiken nicht erreicht haben.

Oder sie wurden im Wettbewerb derart, oder derart oft niedergemacht (Mobbing), dass sie beim kleinsten Anschein eines Wiederauftauchens solcher Probleme ausrasten.

Zwang kann hier nur Kontraproduktiv wirken.

Wie man in den Wald hinein ruft

Der Ausdruck <Frechheit> müsste wohl oft durch <Überempfindlichkeit auf Grund fehlenden Selbstwertgefühls>  ersetzt werden, womit sich auch hier ein klassisches Einsatzgebiet für die Sozialarbeit ergibt.

Ein Recht auf Existenz zu beanspruchen darf nie als Frechheit ausgelegt werden! DIE Frechheit ist das Aberkennen eines Existenzrechts auf Grund ökonomischer Kriterien wie Leistung oder produktiver Kenntnisse. s. Existenzrecht - das gilt nicht nur für Intelligente, vor allem nicht nur für gerissene Schlaumeier ....

Das Recht auf Unterstützung gehört in dieselbe Kategorie wie das Recht auf Arbeit, wie das Recht auf Existenz. 

Georg Simmel: Zur Soziologie der Armut

Anspruchshaltung / freiwillige Armut Ansprüche an Potential anpassen Ansprüche werden rund um die Uhr durch Werbung angeheizt, Kosten steigen für alle, auch wenn nur die Spitze mehr Geld verdient Die Nachhaltigkeit verlangt eh nach einer verstärkten Subsistenzorientierung und mehr Bescheidenheit. Hier gilt es die Orientierung zu ändern.

Hier betreten wir allerdings das Aktionsfeld der Prediger.

System Gesellschaft, Beziehungen, Netzwerke, Zugehörigkeit zur Unterschicht, führt meist zu kurzer und tiefer Ausbildung - und zum Ausschluss aus den Netzwerken der Goldenen Horde, die den Zugang zu den Futternäpfen bewacht. Das Recht auf Existenz muss ein Recht auf Arbeit beinhalten, die den eigenen Fähigkeiten und Interessen angemessen ist, sonst ist es, gerade in einer leistungsorientierten Gesellschaft, bedeutungslos. Konservatismus: Es ist alles gut, wie's ist. Wenn sich was ändert, geht's uns nur schlechter.

Die herrschende und Vermögende Schicht wird als Vorbild präsentiert - die Armen sind also schlichtweg Versager

progressive, problemlösungsorientierte Politik

Korrektur der Ausrichtung auf die Goldene Horde als Vorbild.

Die Dominanz materieller Hilfeleistungen für Arme ... lässt gerne vergessen, dass der Weg aus der Arbeit, soll er nicht über Sklaverei und Zwangsarbeit führen, über soziale Beziehungen und soziale Anerkennung zur Selbstverwirklichung führen muss (s. Maslow) Wohltäterismus beglückt die Wohltäter, denn es gibt ihnen Kontrolle über andere - befreit aber nicht die Armen aus ihrer misslichen Situation Auch hier ist die Sozialarbeit gefragt, da (oder solange) der Sozialstaat und damit ein Recht auf Unterstützung im Armutsfall besteht. Diese Rechte werden allerdings verschleiert als "milde Gaben", die man sich verdienen muss, sind also meist tendenziell doch wieder <Wohltäterismus>, d.h. Geld gibt's für Gefügigkeit.

Die beiden folgenden Systeme tragen das meiste zur Entstehung von Armut bei - sind aber kein Feld der Sozialarbeit:

System Politik zu viele Steuern ... unterdrücken Unternehmertum

zu wenig Steuern verunmöglichen ausgleichende Gerechtigkeit

"Steueroptimierung: Gerade hier wird praktisch nur polemisch und propagandistisch argumentiert: Steuern sind vom Teufel, Umverteilung ist des Teufels - womit die endogene Schuldzuweisung verstärkt wird. objektiv zeigen, wer schliess aus, wer wird ausgeschlossen, wer verdient daran ... und wer bezahlt.
Durch Rationalisierung verschwinden alte Branchen, Produkte und Dienstleistungen Nur Fortschritt/Innovation kann diese ersetzen. Innovationen basieren zum grössten Teil auf privater Forschung, also werden auch die Profite privat, bei wenigen, eingesackt. Bildungs- und Forschungspolitik
                       " insbesondere Kleinbetriebe .... obwohl es eigentlich grad die sind, die selbständige, weit gehend selbst bestimmte und erfüllende Tätigkeiten bieten. Wer mit wenig Leuten grosse Umsätze macht, verdient viel, vernichtet aber Arbeitsplätze und belastet den Staat mit Sozialkosten. Wer mit viel Leuten tiefe Umsätze macht, verdient wenig - schafft aber Arbeitsplätze. (s. die Grössten) Gewerbepolitik - Schwerpunkt Selbständigkeit - Kontrolle der Betriebsgrösse, der Marktanteile, der Marktbeeinflussung, ja - Beherrschung.
Politische Steuerung und Kontrolle wird von Wirtschaft generell abgelehnt - es sei denn es gehe um den Schutz des Eigentums. Kontrolle der Markt-Mächte ... die es laut liberaler Theorie gar nicht geben dürfte. Internationale Organisationen und Verträge sind für eine exportorientierte Wirtschaft überlebenswichtig  <> als Gegenpol sind Menschenrechte ebenfalls international abzusichern.
System Wirtschaft

Arme sind Ausschuss der Prozesse die Reichtum schaffen

unterdurchschnittlicher Lohn oder gar kein Lohn Integration / Minimallöhne / gewerkschaftliche Interessenvertretung bis hin zu Streiks Elimination von Wirtschaftszweigen durch (globale) Konkurrenz s. u.
Macht der Grösse (economy of scale), verstärkt durch marktinterne Barrieren wie sunk costs und viele andere = Macht der Verdrängung (s. Restrukturierung. Obwohl immer gelobt von den Gewinnern, waren Restrukturierungen immer die erste Ursache von Armut.) Ein wirklich freier Markt bedingt gleich lange Spiesse. Wo dies nicht möglich ist, herrscht eben kein freier Markt sondern Marktmächte, die folglich durch die davon betroffenen zu kontrollieren sind. Gewaltige Ausdehnung der Macht der Grösse durch Globalisierung. Fokus auf lokale und regionale Wirtschaft, bei der nicht Aktienkurse leiten, sondern Löhne, Arbeitsplätze, Konsumentenpreise (insbesondere für Mieten), etc. ebenfalls als steuerungsrelevant betrachtet werden.
Pareto-Verteilung: Ungleichverteilung ist Grundbedingung des Kapitalismus ein anderes Wirtschaftssystem / andere Werte Es fehlt ein Korrektiv, das zumindest ein Minimum an Gerechtigkeit garantiert soziale Marktwirtschaft mit progressiver Besteuerung hoher Erwerbspotentiale und Vergünstigung/Unterstützung schwacher Potentiale
Preissteigerungen passieren auch, wenn nur die Reichen zu mehr Geld kommen - hier werden die Armen noch ärmer, auch wenn ihre Einkünfte nicht geringer geworden sind. (s. Balassa-Samuelson-Effekt/ relative Armut) tja ... Arme müssen sich wehren, wenn die Reichen alles, oder schon zu viel für sich beanspruchen ... that's life. The alternative is death. Auch hier trägt die Globalisierung massiv zu zunehmender Ungleichheit und zur Vertreibung nicht nur Armer, sondern sogar der Mittelschicht bei (s. global cities: Barcelona).  
Leistung: Das Verfolgen einer fremd gesetzten Spur, also Entfremdung mehr selbständige kleingewerbliche Dienstleistungen Effizienzsteigerung, Rationalisierung, Entlassungen, Ausschluss durch Grossbetriebe. Der Mensch wirtschaftet um zu leben - er lebt nicht, um zu wirtschaften.
fehlende Ressourcen wer arm ist, dem fehlen per Definitionem die Ressourcen, sie müssten also exogen zur Verfügung gestellt werden. Ausschluss von Ressourcenzugang und -nutzung

Gerade durch wirtschaftliches Verhalten, also effizienten Einsatz von Ressourcen, wird von den einen, den Effizienten und Produktiven, den andern, den weniger Effizienten, die Ressourcen entzogen.

s. Existenzrecht
Arme schaffen mehr Armut bei den einen, mehr Reichtum bei den andern, da sie der wirksamste Hebel sind, Löhne zu drücken durch Gratiseinsätze - oder auch bloss Angst zu machen vor dem gleichen Schicksal.

Sie ersehen daran das Problem der Sozialarbeit, die nur auf einen sehr geringen Teil der für die Betroffenen exogenen Systeme Einfluss nehmen kann, also entweder die endogenen Faktoren bevorzugt, oder versuchen muss, die Betroffenen für ihren Kampf mit den exogenen Systemen besser zu rüsten..

Ressourcentheorie der Armut (s. auch Ursachen & Definition der Armut):

Armut ist entweder der Mangel an Ressourcen - oder der wirtschaftlich ineffiziente Einsatz derselben. (mh)

Die Theorie zunehmender Knappheit durch Bevölkerungswachstum von Malthus & Co hat sich ja kaum bewahrheitet: Die Verknappung der Ressource  Boden als primärer Einkommensquelle für die Mehrheit der Bevölkerung wurde ja aufgelöst durch zunehmende Spezialisierung, Industrialisierung und Dienstleistungen, die zumeist nur wenig abhängig sind vom Boden als Produktionsfaktor. So besteht bislang noch kein absoluter Mangel an Nahrungsmitteln. Armut und Hunger erweisen sich vielmehr als Ergebnis einer marktwirtschaftlicher Fehlleitung und einer global ungleichen Einkommensverteilung.4

Amyrthia Senn definiert Armut als Mangel an Verwirklichungschancen. Und dieser Mangel wird erzeugt nicht durch einen Mangel an Gütern, sondern durch sozialen Ausschluss, insbesondere durch den Ausschluss aller Leistungen vom Markt, die nicht monetarisiert sind.

In der 3. Welt entsteht Armut faktisch fast immer durch Entziehung von Eigentums- oder Nutzungsrechten, sei es durch den Markt (durch fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten oder sinkende Realeinkommen) oder durch korrupte Regierungen, die kolonialpolitische Interessen ablösten und Arme politisch ausgrenzten. Dazu kommen ökonomische Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit oder die Vernichtung von tradierten Erwerbsformen durch die globale Ökonomie, Ausschluss von Bildungsmöglichkeiten und vom allgemeinen Zugang zu öffentlichen Gütern, aber auch von medizinischer Versorgung usw.

Derartige Ausgrenzungsprozesse verstärken die Tendenz zu politischer und sozialer Destabilisierung, die wiederum wirtschaftliche Folgen besitzt und in einen negativen Armutskreislauf führen kann. Armut, die als Konsumschranke die effektive Nachfrage beschränkt und damit Ursache von Wirtschaftskrisen ist.

In den vergangen Jahren hat sich in der Diskussion um wirtschaftspolitische Konzepte zur Beseitigung der Armut dieses neue Paradigma mehr und mehr durchgesetzt, das sich um den Begriff social exclusion, soziale Ausgrenzung, gruppiert. VORSICHT! Diese Theorie enthält noch eine Erweiterung der Gleichsetzung von Armut mit Ausschluss, indem nämlich Armut in diesem Ansatz nicht mit sozialer Ausgrenzung identifiziert wird, sondern als wichtigstes Beispiel von Ausgrenzungsprozessen interpretiert  Der Schöpfer dieser Theorie war .Rene Lenoir.

Begriff der Armut als Mangel an Reichtum die Einsicht zugrunde, dass die Armut ein reproduziertes Element des sozialen, ökonomischen und politischen Systems darstellt. Menschen werden nicht als Objekte analysiert, denen etwas mangelt, sondern als Subjekte mit verhinderten Handlungsmöglichkeiten. Dieses Konzept knüpft an Überlegungen an, die sich auch bei Amartya Sen finden, der – wie zitiert – Armut nicht als Zustand, sondern als Entzug grundlegender Ansprüche oder Verwirklichungsrechte definiert

Die Teilnahme am Markt erfordert a) Ressourcen wie Kapital, Boden, Arbeit (was heute immer heisst: Bildung), und, soziale Beziehungen (Vitamin B, Zugang zu Netzwerk oder Filz. Es gibt hier einen interessanten Vergleich von Armut damals oder dort, in Drittweltländern,  und Armut hier und heute. Armut damals war zumeist Armut von Bauern, die entweder gar kein oder zu wenig Land hatten. Wie ein rotes Band zieht sich dies durch die Geschichte, bis zur kommunistischen Revolution und den Beschränkungen des Grossgrundbesitzes in Südamerika und andern Ländern: Aneignung von Ländereien durch die Herren <> Aufstand der Bauern, Bauernkriege - und Landverteilung. (s. Russland, Rumänien, optimale Landwirtschaftsfläche heute, )

Und hier und heute? Welche Ressourcen fehlen den Arbeitslosen und insbesondere den Armen, für die Arbeitsbemühungen längst zum sinnentleerten Leerlauf geworden sind? Bildung - schreien alle laut. Welche Bildung? ... Auch da wird immer was geschrieen, allerdings bloss mit dem Erfolg, dass diejenigen die sich auf diese Ausbildung einlassen, nach Abschluss des Studiums oder der Lehre wegen "Überproduktion" gleich stempeln gehen können. (s. Bildungsillusionen)

Auf der andern Seite dieses einseitigen, und dadurch übermässigen Fokussierung der gesamten Menschheit auf marktfähige Produktion, stehen immer grössere Löcher dort, wo der Markt eben nicht zuständig ist, wo nicht marktfähiges eben nicht mehr produziert wird. Natur, Geist, unzureichende Reproduktionsrate (Kinder als Kostenfaktor), Gemeinnützige Leistungen, Kunst und Wissenschaft um der Kunst und des Wissens willen, etcetc.

Der Markt ist als dominierendes Ordnungsprinzip der Gesellschaft problematisch, denn:

a)  beziehen Einkommen oder Reichtum nur marktfähige Güter und Dienste mit ein und

b) ist der Markt, als Instrument der Reichtumsproduktion, eben nicht "frei", sondern das Prinzip sozialer Ausgrenzung:

Ohne nachgefragte Güter oder Arbeitsleistungen besitzt man keine Eintrittskarte in das globale Spiel der Märkte und erscheint auch in keiner ökonomischen Einkommens- oder Armutsrechnung.

Zwar wird auf den Märkten die „Knappheit“ von Gütern signalisiert und damit ins Bewusstsein der statistischen Wahrnehmung gesellschaftlicher Prozesse gerückt. Die nichtmarktfähigen Leistungen, Güter und Ressourcen erscheinen jedoch in keiner Statistik und spielen in den Analysen der Ökonomen keine Rolle. Doch auch außerhalb der Schranke des Marktes, keineswegs nur innerhalb des Maßstabs „Reichtum“, findet sich Armut. Diese Armut ist das Ergebnis einer sozialen Ausgrenzung, die ganze Erdteile vom globalem Markt ausschließt, ganz einfach deshalb, weil die dort lebenden Menschen weder über Ressourcen noch über eine Arbeitsqualifikation verfügen, die für die globale Wirtschaft von Interesse wären. Was in den Einkommensstatistiken erscheint, was andererseits von den Ökonomen in ihre Analyse mit einbezogen wird, das setzt immer schon Marktteilnahme voraus und bleibt gegen die Realität der Armut weitgehend blind. Das viel zu enge kognitive Fenster der Orientierung an pekuniären Leistungen verhindert, den Markt selbst als Quelle eines Ausgrenzungsprozesses zu begreifen, der das Problem der Armut nicht durch eine schrittweise Überwindung „der Knappheit“ lösen kann, weil die betroffenen Menschen, Gruppen, Landstriche oder natürlichen Ressourcen gar nicht erst Gegenstand der Bewertung durch Geld sind. Sofern die Märkte mehr und mehr alle menschlichen Lebensbereiche dominieren, also nichtmarktliche Formen der Vergesellschaftung selektieren oder an den Rand drängen (wie Familien, Clans, Dorf- oder andere Sozialgemeinschaften), wird der Markt zum dominanten Grund sozialer Ausgrenzung, der mehr und mehr andere Sozialstrukturen überlagert.

Wenn also den Bauern "bloss" Land fehlte, um sich aus der Armut zu befreien, wie kann dann heute Armen die Flucht aus eben dem Zustand gelingen, da ihnen die Grundessenz des Wirtschaftens, eben das Kapital, ja fehlt? Bildung ... blablabla ... Bildung ist dummerweise eine Ressource, die, ohne Kapital, nur von andern eingesetzt werden kann, eben in einem Job. Armen fehlt also ein ausreichend bezahlter Job. Wo's zu wenige, insbesondere zu wenige dem Leistungspotential der Armen angemessen Jobs gibt, hilft kein Quängeln und keine Schuldzuweisung, noch weniger der Verweis auf "Eigenverantwortung". Es braucht Zugang zum Markt, zu einem Markt, der eben gerade per Wettbewerb Zugang nur den Leistungsstärksten gewährt. Das ganze Gequängel von wegen Bildung, Eigenverantwortung, Leistung, Marktanpassung etc. ist also entweder schlicht hirnlos, oder, wahrscheinlicher, eristisches Geplänkel, denn je mehr Arbeitslose, desto tiefer der Preis für die Arbeit. Punkt.

Ältere Theorien:

Wem es an finanziellen Mitteln gebricht, der ist bloss äusserlich arm; ist er aber durch seine Armut und in seiner Armut als Mensch harmonisch in all seinen Kräften gebildet, so ist er innerlich reich. Und auf diesen inneren Reichtum kommt zuletzt alles an. Und immer wieder stellt Pestalozzi – gewiss nicht überraschend – fest, dass die äussere Armut (nicht das Elend!) für die Heranbildung von innerem Reichtum grundsätzlich die bessere Voraussetzung ist als der äussere Reichtum.

 

3 Ursachen, Armutsrisiken

Hier landen wir bereits bei einem äusserst strittigen Thema, zu dem so kontrovers diskutiert wird, dass Wikipedia seine Seite über Armut für Beiträge sperren musste (http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Armut). Primäre Ursache dafür dürfte sein, dass die Ursache von den einen am liebsten den Betroffen selbst in die Schuhe geschoben wird, die Lösung also einfach <Eigenverantwortung> lautet - während andere entweder betroffen sind, also einige Erfahrung haben damit, wie schwer es ist, sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf hinauszuziehen - oder auch ein bisschen komplexer Denken. Sie finden hier also erst eine Präsentation der komplexen Armutsrisiken und Ursachen der Armut, dann unter Kapitel 3 eine Analyse des Wiki-Beitrags zum Thema Armut.

3.1 Bildung - Ursache oder Heilmittel der Arbeitslosigkeit?

Als häufigster Grund für Arbeitslosigkeit und Armut wird fehlende Bildung genannt. Dies ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Witz, denn hier sind die Ressourcen leider von Natur aus ungerecht verteilt, was die Ressource <geistige> (oder andere) Fähigkeiten betrifft. Aus diesem Grund sind sogar Hardliner des Liberalismus wie Friedmann und Hayek für ein garantiertes minimales Grundeinkommen:

  1. wird Bildung heute kaum noch angeboten (s. Ivan Illichs Technologie und Verschulungskritik) - und auch noch weniger geschätzt. Was heute zählt ist nicht Bildung, sondern Schulung, Schulung für präzise die Funktion für die ein Betrieb zufälligerweise gerade jemanden braucht.

  2. ist Schulung (wie Bildung) von der Intelligenz abhängig, und die ist nun mal eben ungleich verteilt. Dummerweise hat, laut Definition des IQ, die Hälfte der Bevölkerung einen IQ von unter 100, lässt sich also leicht als "bildungsschwach" bezeichnen.

http://www.brainworker.ch/Bildung/bildung&arbeitslosig.htm

Aus präzise dem Grunde ist das Konzept von Charles Murray, einem US-Politologen, kompletter Unsinn. Murray unterteilt Arme in "deserving poor" und "undeserving poor" (Losing Ground), wobei die ersteren in etwas working poor sind, die Zweiteren von der Sozialhilfe leben. Er führt Sozialabhängigkeit auf schlechten Charakter zurück. Obwohl der dabei diese Armut auf mangelnde Intelligenz zurückführt (was ebenfalls falsch ist, sonst gäb' es keine armen Akademiker), plädiert er auf Grund dieser Tatsache auf die Abschaffung der Sozialhilfe. Dabei übersieht Murray geflissentlich, dass man sich Intelligenz auch mit noch so viel Fleiss nicht erarbeiten kann, sondern entweder hat oder nicht ... wozu dann noch kommt, dass man sie für Gutes oder für Scheisse einsetzen kann. Blocher z.B. ist recht intelligent ... aber was macht er damit? Propaganda. Präzise das Selbe macht Murray, denn a) kann die Wissenschaft nicht werten, werten ist persönlich, und allenfalls Sache der Philosophie; b) übersieht er eben die naturgegebene ungleiche Verteilung der Intelligenz. Murray ist also entweder schlichtweg ein propagandistisches Arschloch - oder ein absolut unfähiger Wissenschaftler. In beiden Fällen gehörte er nicht unter Wikipedia erwähnt.

Ein ähnliches Kaliber ist Lester (richtigerweise ausgesprochen wie Läster) Thurow, der des Langen und Breiten alle Länder kritisiert, die nicht im selben Tempo wie die USA riesige weltbeherrschende Konzerne aufbauen - und wieder abbauen können ... sondern bloss über Jahrzehnte. Auch er vertritt eine Macht- und keine Marktwirtschaft, eine Machtwirtschaft die den Grossen gerade auf globalem Terrain fast uneinholbare Vorsprünge verschafft. Lester Thurow verschweigt nämlich, dass die USA nicht einfach über die intelligenteren, schnelleren und risikofreudigeren Unternehmer verfügt, sondern über den weltgrössten Heimmarkt, der mit einer Sprache, einem Gesetz, einer Logistik, einer Ideologie bearbeitet werden kann, wovon sogar die EU noch weit entfernt ist ... Gott sei Dank. Thurow entblödet sich nicht, für niedrig qualifizierte Arbeiten in Europa die selben Löhne zu fordern wie in Billiglohnländern ... allerdings nicht für die USA Löhne wie in Mexiko. Sonst hätte sein Ansehen vermutlich doch eher gelitten. So brachte er es doch zum Professor an der bedeutendsten technischen Universität der USA, dem MIT ... seltsamerweise.

Kleinbetriebe sind ökonomisch uninteressant. Sie produzieren wenig BSP. Sie machen keine Forschung und Entwicklung. Sie zahlen keine hohen Löhne. Sie exportieren nicht. Sie sind keine Pioniere in der Durchsetzung neuer Technologien. [S.93]. Jeder der nur ein paar kleine aber feine KMUs der Schweiz oder des Schwabenlandes kennt, weiss dass alle diese Behauptungen totaler Stuss (utter nonsense) sind. Schlimmer noch. International agierende Grossbetriebe machen Politik im eigenen Interesse, die aber dummerweise betriebswirtschaftlich und nicht volkswirtschaftlich organisiert ist. Grossbetriebe gehen nicht dorthin, wo anständige Löhne bezahlt werden, wo z.B. ein Minimallohn vorgeschrieben ist, sondern dorthin, wo sie Löhne und Konditionen auf ein Minimum drücken können. Dadurch verursachen sie A) an ihrem ursprünglichen Standort Arbeitslosigkeit, für die der Staat aufzukommen hat, B) am neuen Standort steigende Preise und Ungleichheit, die Menschen in die Emigration zwingen, und den Einwanderungsländern, den Ländern, wo diese Leute das Geld sehen, noch mehr Kosten verursachen. International agierende Grosskonzerne sind also eher die Ursache als die Lösung des Problems. Sie können sich allerdings dabei eben so auf den Volkswillen berufen, wie etwa Blocher, denn es ist der Ruf nach BILLIG (vor allem aus Deutschland, wo die Löhne eben auch bald keinen andern Konsum mehr erlauben), der selbst chinesischen Arbeitern das Leben schwer macht. Die Produktion musste deswegen bereits von der Küsten ins billigere Landesinnere verlegt werden, wo China noch ein wirkliches Billiglohnland ist.

Läster's Steuernonsense (Priorität No 2, nach der Flexibilisierung):

Es ist besser, nicht mit einer direkten Attacke auf die sozialen Systeme zu starten, sondern die Löhne zu erhöhen ... durch Verlagerung der Steuerlast von Lohnabgaben auf Konsumabgaben. Tönt gut, sogar für Grüne - führt aber dazu, dass die Armen die Steuern bezahlen und die Reichen noch mehr sparen, denn bei den Armen geht alles Geld, manchmal mehr als vorhanden ist, für den Konsum drauf, speziell den Zwangskonsum wie die Krankenkasse. Ihnen bleibt weniger als nichts an frei verfügbarem Einkommen. Bei den Reichen dagegen dominiert das frei verfügbare Einkommen weit über die Ausgaben, es kann gespart werden - es entfallen also die Mehrwertssteuern. Lester Thurow ist also entweder total dämlich - oder ein total fieser Hund.

Fazit: Vorsicht bei professoralen Empfehlungen. Auch dahinter kann sich Propaganda verbergen!

Läster's Oekononsense:

Environmentalists are elitists living in the top 20% of the population whose aim is to end rising standards of living for the bottom 80% of the population. Their demands mean the end of economic progress. The real enemies of the radical environmental leadership are capitalism and the American way of life.

Our air and water are fare cleaner than it was twenty or thirty years ago.

The available oil suply has exploded, proven reserves of oil are at all-time highs, and oil prices in real terms are at their lowest level in human history. ... All agrictultural, mineral, and energy resources are now selling for prices near their historic lows. Copper prices are down ... geschrieben 1999. Propagandistischer Nonsense - und das von einer Koryphäe der Ökonomie, einem MIT-Professor.

All of these problems may occur, but if there were ever a problem humans are unlikely to solve, it ist global warming. Human nature and human socioeconomic systems were simply not built to solve such distant, uncertain problems. Tja, das ist das Problem, denn verursachen tun sie dieselben dummerweise.

And once we are sure that global warming has arrived, it is obviously too late to prevent it from arriving.

Heating ist expensive, snow tires cost money ...

Whatever the future costs, they are uncertain, amorphous, and will affect someone else anyway. Tja ... und hier hätten wir den typischen Standardansatz der Ökonomen: Lass jemand anders für die Kosten bezahlen und konzentrier dich darauf, die Gewinne einzusacken. Dummerweise sind es dann meist die Armen, inklusive der Mittelschicht heute, die diese Kosten (per Steuern und Abgaben) bezahlen, weil die Ökonomen ihre dämlichen Hinterlisten so kompliziert formulieren, dass sich keiner mehr Pieps zu sagen traut, aus Angst, sachlich sich zu blamieren. Das Desaster mit S&L kostete die Steuerzahler und Rentner Milliarden. Das selbe in Grün heute die Subprime Krise. Und die Schweizer Nationalbank warnt bereits, dass selbst sie nicht in der Lage ist, ein eventuelles grandioses Debakel eines world pläier wie der UBS aufzufangen ... Aes guets Neuis de no. Sterben lassen kann man nur die Kleinen.

Läster's Förderung privaten, wirtschaftlich nutzbaren Wissens:

Es gibt Bestrebungen im Kongress, Ausländische Studenten aus den US-Universitätslaboren fernzuhalten, um zu verhindern, dass der US-Steuerzahler den Transfer selbst finanzierter technologischen Vorsprungs ins Ausland auch noch bezahlt. Technologietransfer ist also aus der Sicht der Marktbeherrschung zu verhindern. Die zeigt sich auch in der Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Waren die Anteile von Staat und Privaten früher 40/60, so sind sie heute 30/70. In der Schweiz sind die Verhältnisse noch extremer, vor allem ist hier die Forschung sehr einseitig dominiert durch Pharma und Chemie. Die Zeiten in denen privates Wissen geteilt wurde - sind vorbei! ... Allerdings, erwähnt der selbe Autor, basieren 3/4 aller Erfindungen und Entdeckungen auf allgemein verfügbarem Wissen. Privates, geheim gehaltenes Wissen erlaubt keine Entwicklung desselben.

Potentielles produktives Kapital pro Kopf:

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den USA:

Mit 40 ist man zu alt. Die Löhne für College Absolventen gingen in den letzten 25 Jahren 3% runter, 29% bei Gymnasiasten, 31% für Gymnasiasten ohne Abschluss. Hoch Gebildete, mit den richtigen Zertifikaten legen zu, der Rest geht bachab. Für 2/3 der Arbeitskräfte fallen die Löhne, für 1/3 steigen sie - ein riskantes Experiment für die Demokratie (sagt hier sogar Lästermaul Thurow).

Traditionell fand ein grosser Teil des Wissenserwerbs in der Arbeit statt. Dafür ist heute kein Geld und keine Zeit mehr da. Anderseits sehen sich 70% der Arbeitskräfte (der USA, der dynamischen, wohlgemerkt) nicht in der Lage, ihre Karriere selbst zu managen, weil sie wissen, dass ihnen der Überblick über den Arbeitsmarkt und dessen Entwicklung fehlt. Die Firmen bilden jene aus, die sich neues Wissen am schnellsten aneignen können, also eher junge, dynamisch - mit hohem IQ (was man nie mit Klugheit oder gar Weisheit verwechseln darf, s. Blocher). Wer Wissen hat, kriegt mehr davon.

  1. Bildung ist seit dem Aufkommen der Universitäten im Mittelalter ein Mittel, sich zu distinguieren, also abzugrenzen, also andere auszugrenzen.

  1. Spezialisierung: Die wohlgemeinten, aber meist dämlichen, Rezepte des lebenslangen Lernens, der Bildungsförderung etcblablabla übersehen einfach, dass eben a) Bildung gar nicht gefragt ist, sondern Anpassung, also Gehorsam; vor allem aber funktionelle Aus-Bildung, also Handlungswissen, dass direkt produktiv eingesetzt werden kann. Dieses Handlungswissen hat sich explosiv vermehrt in den letzten Jahrhunderten. Es verdoppelt sich heute fast alle 2 Jahre. Logischerweise hat dies zu einer Auffächerung bei den Wissensträgern geführt, also zu beruflichen Spezialisierungen.
  2.  

Restrukturierung entwertet Berufs-Bildung wie Erfahrung immer öfter und immer schneller

Dass Bildung zur Gleichheit beitrage ist ein Mythos, seit langem. Vermutlich wird er zur Zeit deshalb so intensiv gepflegt (Pisa), weil gerade die generation p belegt, wie untauglich Bildung ist um Armut zu verhindern.

Die Bürger müssen davor geschützt werden, auf Grund schulischer Beurteilung keine Arbeit finden zu können, da dies nicht bloss ihre Freiheit, sondern sogar ihre Existenz beeinträchtigt. Die Überbewertung von Bildung, von schulischen Qualifikationen, führt also zu einem Verstoss gegen das erste und wichtigste Menschenrecht, das Existenzrecht.

 

3.2 Innovative und produktive Branchen

Ach, was wird gejammert, dass die Schweiz Wachstumsschwäche zeige, dass die abgeschotteten Klein- und Handwerksbetriebe sich dem Wettbewerb öffnen müssten, um doch eben so produktiv und erfolgreich zu werden wie die grossen des SMI. Alles Schwindel. Eine genauere Betrachtung zeigt nämlich sofort, dass in einer Branche oder Firma um so mehr verdient wird, je mehr Umsatz mit je weniger Arbeitskräften getätigt wird.

Logischerweise stehen hier die Banken gut da, da sie mit dem Kapital selbst handeln, dieses belehnen, absichern, verkaufen, einkaufen - und dadurch oft umstrukturieren.

[http://brainworker.ch/Arbeit/lohn_des_kapitals.htm

Logischerweise sind hier die Energiehändler die "produktivsten", da sie riesige Wertverschiebungen per Vertrag managen ... und sich ihren reichlichen Obolus abzwicken. Oligopolistische Strukturen, nicht nur in Russland, die  wohlgemerkt zu Lasten der Konsumenten gehen.

s. auch: Die grössten Firmen]

 

3.3 Die Peripherie, der Rand, produziert ebenfalls randständige Gesellschaft

Der Irak kannte immer schon beträchtliche Unterschiede zwischen Arm und Reich. Diese haben sich mit der gewaltsamen <Demokratisierung> durch Bush enorm verstärkt. Interessanterweise sind doch einige der Faktoren die zu Armut führen präzise die selben wie hierzulande, nämlich Kinder (dort etwas mehr als hier), alleinerziehende Mütter (dort durch die enormeZahl der Kriegsopfer bedingt), zu kleine Betriebe (weniger als 20 Schafe ...) - vor allem aber MANGEL AN ARBEITSPLÄTZEN und MANGEL AN VERMARKTBAREN BERUFLICHEN FÄHIGKEITEN. Aha, da hätten wir's endlich klar gesagt: Nicht um Bildung geht's, sondern um <vermarktbare berufliche Fähigkeiten>.

Als sehr anfällig für Armut wurden diejenigen Haushalte ermittelt

Die wichtigsten Probleme sind:

http://www.brainworker.ch/Irak/armut.htm

Solche Peripherien werden aber nicht bloss durch Kriege geschaffen, d.h., nein, doch, eigentlich  schon, aber meist durch Wirtschaftskriege. Das, was früher militärische Vorposten waren, sind heute Aquisitionen auf neuen Märkten. Das was der Sitz und die Burg des kriegsführenden Fürsten, ist heute die global city. Hier lassen sich die Herren der vernetzten Welt nieder, meist hinter schützenden Zäunen und Mauern, die auch allfällige Demonstrationen auf Distanz hält. (s. Novartis Campus).

global cities sind, genau wie Bildung, nicht primär Verhinderer von Armut, weil sie für einige Reichtum schaffen,
sondern Schöpfer von Armut -
Herrschaftszentren des Kapitals.

Nach Immanuel Wallerstein basieren <world systems> gerade auf der Aufteilung zwischen Zentrum und Peripherie:

  1. kapitalistisches Zentrum mit starker zentralistischer Regierung
  2. semiperiphere Staaten, also Staaten, die entweder einmal zum Zentrum gehörten oder auf dem Weg dahin sind
  3. Peripherie: schwache Regierung, versorgt Zentrum mit Rohstoffen (worunter heute oft auch Arbeit, Kapital, Wissen gehandelt werden).

Diese profitable Teilung wird geradezu befördert durch die Globalisierung und exklusive Netzwerke (früher mal Filz genannt). Sie schafft zwar noch mehr Reichtum in den Zentren - aber auch noch mehr Armut in den peripheren Zonen, sogar denen, die sich am Rande des Zentrums bilden (Slums).

Fazit zur wirtschaftlichen und sozialen Peripherie:

Die Peripherie ist weder beliebig verfügbare Ressource noch Wildnis.

Die Peripherie ist Verantwortungszone.

http://www.brainworker.ch/Orientierung/ordnungsmodelle.htm

3.4 Kinder sind der häufigste Grund für Armut

Obwohl die Schweizer Bevölkerung schrumpft, was zu beträchtlichen wirtschaftlichen und sozialen Problemen führt, obwohl es seit Jahren klar ist, wie hoch die Kosten der Investition in Kinder sind, obwohl es ebenfalls seit Jahren belegt ist, dass Kinder der absolut dominante Grund für Armut sind, ist die Unterstützung von Familien, insbesondere von kinderreichen Familien, in den meisten Kantonen absolut lächerlich.

http://www.brainworker.ch/Sozialstaat/sozialversicherung.htm

Hier findet sich vermutlich auch der wichtigste Grund dafür, warum die Schweiz überaltert und am Schrumpfen ist. Ein Kind ist eine Investition in der Höhe von 1/2 bis zu 1 Million Fr. - und ist damit der Hauptgrund für Unterstützungsbedarf. Wenn sich eine Gesellschaft keine Kinder mehr leisten kann, dann verdient sie es wohl, einzugehen.

 

3 Kritik zweier unbrauchbarer, ja beleidigender und rassistischer Websites zum Thema Armut, Ursachen der Armut

3 Eigenschaften die Hauptursache der Armut sind:

-    Faulheit
-    Dummheit
-    Frechheit

So spricht ein Amateurfunker aus Allschwil, der dazu noch einige rassistische Erkenntnisse dazu legt. Derartiges ist a) eine bodenlose Frechheit, b) aber auch ein deutliches Zeichen <sehr einfachen Denkens> - sofern man dem überhaupt noch Denken sagen kann, also Dummheit - womit der dort Schreibende eigentlich selbst arm sein müsste. Na ja, irgendwie ist er das ja auch.

Wer solche Argumente vertritt, steht ein für eine fundamentalistisch-protestantische Haltung (s. Max Weber: Historische, kulturelle und religiöse Hintergründe des Kapitalismus), dem Calvinismus, nach der sich das Wohlgefallen Gottes bereits auf Erden zeigt, Reiche also in den Himmel kommen, Arme aber des Teufels sind.

Die Ausnutzung der Kapitaldiener, der Arbeiter und Angestellten, wurde und wird immer gerne als Wohltat im Sinne des Ganzen dargestellt: Das Volk arbeitet nur weil und solange es arm ist. Da sein Seelenheil von der Arbeit abhängt, ist Armut also dem ewigen Heil zuträglich. So gilt der von Weber aufgeführte Glaubenssatz: Niedrige Löhne fördern die Produktivität!  heute noch genau so.

Noch heute: Die evangelikalen Missionen wirken besonders in den Städten. Dort sammeln sich die entwurzelten Landflüchtigen, geraten meist in Slums, Verschuldung, kurzum eine ziemlich hoffnungslose Situation. Das ist der beste Boden für Wunderheiler: Gott wird alle Probleme lösen - aber jeder ist für sein Heil und die Erlösung von Armut und Krankheit selbst verantwortlich.

[kein Link, da ich Unsinn nicht noch fördern will (s. Rhetorik des Schweigens)]

Google zum Thema Armut: http://de.wikipedia.org/wiki/Armut

Als Hauptursachen von Armut werden genannt:

Hauptrisikofaktoren von relativer Armut sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung,

Insbesondere hat sich gezeigt, dass auch eine zu hohe Staatsquote zu hoher Arbeitslosigkeit führen kann (insbesondere in Westeuropa).

Armut löst nach einer Studie Depressionen und Schizophrenie aus.

Armut basiert oft auf erlernter Hilflosigkeit:

  • persönlich - Sie sehen (in) sich selbst als das Problem.
  • generell - Sie sehen das Problem als allgegenwärtig und alle Aspekte des Lebens betreffend.
  • permanent - Sie sehen das Problem als unveränderlich.

Denkt man sich bei der Arbeitslosigkeit als Hauptgrund noch schmunzelnd: Wer hätte das gedacht, so wird man in der Folge doch vermutlich leicht gallig, denn "resiliente Ethnien" überschreiten bereits die Grenze zum Rassismus, dass materielle Armut mit Bildungsarmut  einher geht ist schlichtweg eine Frechheit, und dazu falsch, und die "erlernte Hilflosigkeit" den Betroffenen in die Schuhe zu schieben ist mehr als unfair, denn so lange sie einen Job hatten, wurden sie ja eben darauf trainiert, zu tun was man ihnen sagt und die Klappe zu halten. Passierte ein Fehler, auch durch Befolgen einer Anordnung, war logischerweise der Ausführende schuld, persönlich, nicht die Firma ... oder gar der Chef. Werden sie trotzdem entlassen, sollen sie plötzlich "unternehmerisch" denken.

Ein Schwerpunkt des Wiki-Beitrags zur Armut liegt auf der Resilienz:

Es lässt sich sagen, dass ungefähr 2/3 aller arm aufgewachsenen Kinder im Erwachsenenalter große Probleme hatten. Doch an einem Drittel schien die Armut fast spurlos vorbei gegangen zu sein. Sie wurden als resilient bezeichnet.

Resiliente Kinder unterschieden sich durch eine Reihe von Eigenschaften von nichtresilienten Kindern:

  1. es sind häufiger Mädchen als Jungen, resiliente Jungen sind eher "untypische" Jungen. Sie sind weniger aggressiv und mehr auf andere bezogen als nicht resiliente Jungen

Die Behauptung scheint unsinnig, denn im Wettbewerb ums Geld unterliegen Frauen fast immer, im Wettbewerb um gut bezahlte Führungsstellen ebenso. Ersetzt man diese geschlechterbezogene Formulierung durch sozial kompetent - wird's klarer, allerdings mit einem Wermutstropfen:

Frauen werden von Firmen gerne verwendet, da sie auf Grund der Doppelbelastung lieber (oder gezwungenermassen lieber) teilzeit, und flexibel arbeiten. Dazu werden sie normalerweise vom Ehemann unterstützt, können also ohne zusätzliche Kosten der Existenzsicherung leicht wieder abgeschoben werden.

  1. intelligente Kinder sind tendenziell resilienter als weniger intelligente Kinder, es gibt jedoch auch wenig intelligente resiliente Kinder und intelligente nichtresiliente Kinder

Die Behauptung ist logisch - aber banal. Intelligenz erlaubt höhere Bildung, höhere Bildung erlaubt Zugang zu den Honigtöpfen der Führungsetage ... aber nur, falls wohl dressiert.

  1. resiliente Kinder sind oft Overarchiever, d.h. sie bringen bessere Schulleistungen, als es von ihrer Intelligenz her zu erwarten wäre

Auch diese Behauptung ist logisch ... und banal, denn es ist bekannt, dass sich Intelligenz zumindest teilweise durch Fleiss ersetzen lässt ... und fügsame, eifrige Streber weiter kommen als kritisch denkende Faulenzer, die lieber im Fass wohnen als für Haus und Auto zu arbeiten.

  1. sie haben ihre Impulse eher unter Kontrolle als nicht resiliente Kinder und sind disziplinierter

Hier wird bloss Punkt 3 wiederholt und resiliente Kinder, also solche, die ihrem Schicksal erfolgreich begegnen ohne in Armut abzudriften, gehorsam, also angepasst sind und keinen Widerstand bieten ... was allerdings meist zu tieferen Löhnen führt, allerdings nicht unbedingt zum Ausschluss. (s. oben: traditionelles Arbeitermilieu)

  1. sie sind eher in der Lage zum Belohnungsaufschub als nichtresiliente Kinder - s. 4
  2. resiliente Kinder sind anderen Menschen zugewandt, sie reagieren positiv auf Aufmerksamkeit - s. 1
  3. resiliente Kinder sind einfühlsamer und emotionaler als nichtresiliente Kinder  - s. 1
  4. sie sprechen eher über ihre Gefühle  - s. 1
  5. sie sind vertrauensvoller und weniger aggressiv - s. 1
  6. entgegen dem Vorurteil, was viele Leute vielleicht hegen, sind resiliente Kinder nicht "tough". Das Gegenteil ist der Fall, sie ersuchen andere eher um Hilfe als nichtresiliente Kinder und geben Schwächen eher zu  - s. 1
  7. resiliente Kinder haben eine realistische Selbsteinschätzung  -  s. 4
  8. sie haben realistische Zukunftsvorstellungen  -  s. 4
  9. sie sind sozial angepasster als nichtresiliente Kinder  - s. 4
  10. sie sind "leichter zu lenken" und versuchen den Erwartungen Erwachsener gerecht zu werden  - s. 4
  11. sie sind interessiert an Menschen Sachen und Ideen und lernen gerne. In der Regel gehen sie gerne zur Schule  - s. 2
  12. sie haben eine interne Kontrollüberzeugung -  s 4

Die ganze Liste ist also einigermassen banal und weitgehend redundant (nettes, meist nicht verstandenes Fremdwort für "überflüssig").

Die Rolle der Familie

Die Familie kann viel tun, um den Einfluss der Armut auf die kindliche Entwicklung abzumildern. Die Familien resilienter Kinder unterschieden sich signifikant von denen nicht resilienter Kinder:

  • Eltern resilienter Kinder hatten eine bessere Bildung, als Eltern nicht resilienter Kinder
  • Eltern resilienter Kinder waren häufiger berufstätig als Eltern nicht resilienter Kinder; Berufstätigkeit der Eltern scheint auch wenn man dabei weniger verdient als den Sozialhilfesatz die Kompentenzen der Kinder zu stärken
  • resiliente Kinder hatten weniger Geschwister als nicht-resiliente Kinder
  • resiliente Kinder wuchsen seltener in Ein-Eltern-Familien auf, als nicht-resiliente Kinder.
  • etc. blablabla

d.h.:

Arme stammen NICHT aus der gebildeten Schicht - aber aus Familien die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aus Familien mit vielen Kindern - oder nur einem Elternteil, kurzum:

Arme erben ihre Armut (häufig) von armen,
genau wie Reiche ihren Reichtum von reichen Eltern.

Kommentar zur Zuverlässigkeit von Wikipedia-Informationen:

Ich find' wiki eine tolle Einrichtung. Da ich meist die wichtigsten Begriffe zu einem Thema am Anfang definiere, kommt dort meist auch wiki vor ... allerdings nicht immer, denn es gibt auch Dinge bei Wiki die zweifelhaft oder gar falsch sind. Man müsste dann eigentlich versuchen, dies über Änderungen oder Kommentare bei Wiki selbst zu korrigieren - aber versuchen Sie das mal. Da werden Sie verbal beschossen und niedergemacht, denn für die meisten Beitragslieferanten gilt das, was google liefert, als höchste Wahrheit. Wenn sich in Google also ein Unsinnsschwarm ausgebreitet hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich der bei Wiki genau so findet. Wer was ändern will, braucht also eine unterstützende Gruppe, die andere Meinungen als Mehrheit niedermachen kann. Nach diesem Prinzip verfassten US-Senatoren und Politiker die Lobhudeleien über sich selbst, nach diesem Prinzip verfährt auch Rechtsaussenprophet Roger Köppel, Besitzer und Chefredaktor des Rechtsaussenpropagandablattes Weltwoche. Nach dem selben Prinzip verfahren aber auch die Grossen der Wirtschaft wie Coop, das kritische Beiträge über seine Billiglinie gelöscht hat.

 

4 Folgen der Armut

Vor allem die Angst,
aufgrund von Arbeitslosigkeit „nichts zu tun zu haben“
und damit nutzlos zu sein, beherrscht die Menschen

Angst, aber noch mehr der Verlust jeglichen Sinns und Lebenszwecks führt zu stark erhöhten Selbstmorden - und Selbstmorde sind der Kernpunkt der Definition von ANOMIE.

Weltweit sterben mehr Menschen durch Selbstmord (1 Million pro Jahr) als durch Krieg und Mord! Der Anteil der Männer ist dabei etwa doppelt so hoch wie der der Frauen .  Von den schätzungsweise 10 bis 20 Millionen Selbstmordversuchen geht allerdings ein deutlich höherer Anteil von Frauen aus, für die es offenbar häufig eher ein letzter Hilferuf ist als ein Abschluss. Namen früher Selbstmorde zu mit dem Alter, so steigen in letzter Zeit die Selbstmorde unter 15 bis 25jährigen alarmierend. [http://www.who.int/mental_health/prevention/suicide/suicideprevent/en/] Auslöser sind meist Armut, Arbeitslosigkeit, Verlust nahe stehender Personen, Streit, berufliche Probleme ...  [s. auch Robert Kurz: Der Todestrieb der Konkurrenz. In Wettbewerb http://www.brainworker.ch/Wettbewerb/index.htm & Zynismus: Camus' Umgang mit dem Absurden und dem Selbstmord: http://www.brainworker.ch/zynismus/sisyphus.htm ].

Auch die andern Anomiefaktoren zeigen sämtliche steigende Tendenz. Wir befinden uns also auf einer schiefen Bahn in Richtung zunehmender Anomie. Was sind die Ursachen dafür, und vor allem, wie wäre dem zu begegnen?

Der Schaden der Armen und Wohnungslosen angetan wird ist nicht ein physischer Schaden, sondern eine Beschädigung ihrer Würde.
        Weil sie weder Reichtum noch Eigentum besitzen, werden sie vom Rest der Gesellschaft nicht ernst genommen:
                Die Politiker hofieren ihnen nicht und ihre Rechte werden von Polizei und Gerichten weitaus weniger nachdrücklich geschützt;
                                      sie können keine Arbeit finden in einer Gesellschaft die Eigenverantwortung schätzt;
                                                        
die Jobs die sie finden, können als erniedrigend betrachtet werden;
                                                                       und sie haben weitaus weniger Möglichkeiten ihre Lage durch Ausbildung zu verbessern oder sonstwie
                                                                                   ihr Potential zu realisieren.

So lange der Unterschied zwischen Reich und Arm besteht, so lange als einige Tätigkeiten Prestige bringen andere aber Abwertung, so lange wird kein Mass materiellen Wohlstands diese Situation korrigieren oder die tägliche Beschädigung der weniger Wohlhabenden überwinden.

Was materielle Bedürfnisse befriedigt ist nicht identisch mit dem, was Thymos befriedigt.

Adam Smith:

Der Reiche wird weiter Ruhm geniessen in seinen Reichtümern,
während der Arme sich weiterhin seiner Armut schämen - und sich unsichtbar fühlen wird.

The End of History and the Last Man. Francis Fukuyama.  Perennial 1992

Hunger und Armut führten hier wie im gesamten Süddeutschen Raum zu Massenauswanderung in die USA. Nicht alle gingen allerdings aus eigenem Antrieb, denn für viele Gemeinden war es weitaus günstiger, einem Armengenössigen die Überfahrt in die USA, an Stelle von Unterstützung, zu bezahlen. So wiederholten die Nachkömmlinge der mittelalterlichen Bauern nun den selben Vorgang, durch den sie 700 Jahre vorher durch die Edlen des Bodens enteignet worden waren, an den "Wilden" Nord- und Südamerikas.

http://www.brainworker.ch/Arbeit/bauern_und_herren.htm

Die "boat people" Europas, die vor den Küsten Spaniens, Siziliens, Maltas, Tangers, ja sogar den letzten Französischen Kolonien nördlich von Madagascar, untergehen, sind Opfer einer "falsch" (d.h. eigentlich richtig) verstandenen Globalisierung, denn sie reisen der Arbeit nach. Warum dies nur dem Geld gestattet sein soll, hat bisher noch niemand erklären können oder wollen, denn hier sind die Grenzen immer noch vorhanden, ja sie werden sogar ausgebaut, aus Selbstsucht und Selbstschutz der Anklang bei den Massen geht, weil es um Arbeitsplätze, also die Existenz geht. Dass diese längst verkauft wurden, scheint aber den Massen entgangen zu sein ...

Gerade in der 3. Welt führen Armut und sehr ungleiche Verteilung zu Emigration und Brain Drain (s. Irak). Gesellschaft, die mit hohen sozialen Kosten in Form von Ungleichheit (auch zwischen den Staaten), Armut, Exklusion sowie in deren Folge mit Migration verbunden ist. So könne es zu einer Zerstörung der liberalen politischen Kultur kommen. Diese Befürchtung sieht beispielsweise Forrester in Form der Jugendaufstände in Frankreich längst erfüllt.

http://www.brainworker.ch/Globalisierung/globalisierung_II.htm

Umweltzerstörung und Zerstörung der gesellschaftlichen Strukturen

nihil habeo, nihil curo

ich habe nichts, mich kümmert nichts

Karl Marx im Kapital [1,1, S, 821] über die damaligen working poor

Womit die Gleichgültigkeit gegenüber der Politik erklärt wäre, ebenso die Leidenschaft für Fussball, Porno und andern Zeitvertreib.

Gesundheitliche Probleme

Probleme der Massengesundheit werden nicht gelöst (Malaria, Aids, Antibiotikaresistenz ...), da die Massen nicht über Geld verfügen, also uninteressant sind. s. Novartis Campus. I, Gegenteil, wer arm ist, wird geradezu in die Krankheit gedrängt. Wer die Krankenkasse nicht mehr bezahlen kann, wird betrieben, wer betrieben wird, wird nicht behandelt. Wer sich kein frisches Gemüse, Obst und Fleisch leiden kann, riskiert krank zu werden - und womit bitte soll ein Sozialfall sich frisches Gemüse leisten können? (s. Vorschlag für eine problem-lösende statt problem-verursachende Subventionierung von Nahrungsmitteln:: Gemüse und Obst für die Gesundheit - statt Pharma).

Als "Armer" (in Anführungszeichen, da Armut für Kyniker nicht das selbe ist wie für die meisten) merkt man auch sehr leicht, woran das Gesundheitssystem krankt: Es ist eine Maschine die der Geldmacherei dient, nicht der Förderung der Gesundheit, der allgemeinen zumal. Wer sich selbst um seine Gesundheit und/oder Gesundung kuriert, mit minimalen Kosten (da er sich andere sowieso nicht leisten kann), erhält dann nicht mal diese minimalen Kosten erstattet, wird also auch noch beschissen.

 

5 Bedingungen und Projekte zur Förderung der Armut

Boltanski/Chiapello legen grossen Wert auf die Funktion der Kritik bei der Entwicklung des Kapitalismus. Dieser kam immer wieder unter Beschuss weil er:

  1. die Welt entzaubert durch seine Rationalisierung und Bürokratisierung (s. Max Weber),
  2. künstliches produziert, ihm also die Authentizität fehlt
  3. weil er Entfremdung verursacht. [Entfremdete: Gefangene, dritte Welt, Behinderte, Aussenseiter, Opfer, Untermensch, Machtlose, Sündenböcke, Unperson; subjektlos, existenzlos, elendig, obdachlos, arbeitslos, ausgeschlossen, ausgebeutet, proletarisch; Diener, Junge, Sklave, neue Arme. Langzeitarbeitslose, Männer und Frauen mit Handicaps wie Kind aus sozial schwacher Familie, alleinerziehende Mutter, Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung, Schwerintegrierbare ...Wer keine Ketten mehr hat, die ihn ins Geflecht der Gesellschaft einbinden, ist für die Welt nutzlos.]
  4. eine Quelle der Unterdrückung ist, was 68er wie 80er als Schwerpunkt aufnahmen
  5. Eine Quelle der Ungleichheit, also der Armut in der Arbeiterschaft ist
  6. Eine Quelle des Opportunismus und Egoismus ist, also die Bedingungen die er braucht erst eigentlich selbst schafft.

http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/kapitalismus.htm

5.1 Strukturelle Bedingungen die helfen, Armut zu fördern

Auch hier wurde das grösste Problem der Globalisierung übersehen: Die flächendeckende Verantwortung wird aufgelöst. Jeder Staat hatte ein Hoheitsrecht, und dieses war und ist an die Fläche gebunden. Es gab keine rechtsfreien Räume und wer auf dieser Fläche präsent war, unterstand auf jeden Fall den im Staat geltenden Regeln. Netzwerke kümmern sich nur um die Mitglieder. Was zwischen die Maschen fällt, existiert nicht.

DAS Problem das wir zu lösen haben heisst also: Wie gestalten wir Politik ohne Flächenhoheit, ohne Ort, ohne Zuordnung? Wie könnte Netzwerkpolitik aussehen, d.h. erst einmal, ist Netzwerkpolitik überhaupt möglich?

Als problematisch bezeichnet Beck in diesem Zusammenhang - wie bereits im Kontext der Arbeitsgesellschaft - die „virtuellen Steuerzahler“, zu denen er auch globale Unternehmen zählt, die zwar Leistungen des Gemeinwohls und des Sozialstaates in Anspruch nehmen, diese aber durch gleichzeitigen Entzug ihrer Steuern untergraben. Damit entziehen sich die wirtschaftlichen Entwicklungen immer mehr der Kontrolle des Nationalstaates und entledigen sich ihrer Verantwortung für die Demokratie. Die sozialen Folgen in Form von Arbeitslosigkeit, Migration und Armut werden im Gegenzug auf den Sozialstaat abgewälzt. So bezahlen letztendlich in diesem „kapitalistischen Nullsummenspiel“ die Globalisierungsverlierer die Rechnung für eine funktionierende Demokratie.1143

http://www.brainworker.ch/Globalisierung/globalisierung_II.htm

24.12.06: Weihnachtsgedanken anhand der Landwirtschafts- und Forstgeschichte Österreichs:

Die Analyse der land- und forstwirtschaftlichen Entwicklung Österreichs im 20. JH. ergeben leider:

Weder die Armut der Einen, noch der Reichtum der anderen, führen offenbar zu irgend was, das man als "gute Ordnung" bezeichnen könnte.

Das Standartrezept - Noch mehr Arbeiten für noch weniger Lohn - ist wenig tauglich, was bei Überproduktion ja eigentlich jedem Trottel verständlich sein sollte. Dummerweise sind hier die Bauern nicht die Lösung, sondern der Ursprung des Problems. Ihr dumpfer, unreflektierter Arbeitswille, ihre (meist erzwungene) Unterwürfigkeit unter die Herrschaft des Zinses, bildet die Basis der Industrie- und Arbeitergesellschaft, formt aber auch das Kleingewerbe, und damit die Auftragnehmer der neuen Feudalisten, der global agierenden Grossunternehmen und Kapitalhändler.

Das Ordnungsmodell "Wettbewerb" führt zu noch mehr Ungleichheit und zur Herrschaft des Kapitals, also nicht zu mehr Wohlstand, der eigentlich nicht bloss ein Mass für Gut-Haben sein dürfte, sondern ein Mass für Wohl-Sein. Der Gegenwärtige allgegenwärtige Trend zu immer schneller immer mehr ist bloss noch Zwang und beengt das erfüllte Leben:

Je besser die Bedingungen für ein erfülltes Leben, desto höher die Lebensqualität

Interessant wäre, gerade an Weihnachten, die Idee, das christliche Prinzip der Nächsten-Liebe als Ordnungsprinzip zu erwägen. Interessant insbesondere darum, weil die Liebe eigentlich bedingungslos ist, sich keiner Ordnung unterwirft, sondern, präzise wie der Mensch, nur in Freiheit gedeiht. ... aber... das war einmal ... denn heute reagieren wohl die meisten, sogar an Weihnachten, mit einem Grinsen auf eine solche Idee, denn, die Realität sieht anders aus:

http://www.brainworker.ch/blog-aktuelle-Kommentare/blog_herzog_2006.htm

 

6 Divergierende Interessen der Akteure führen zu kaum brauchbaren Lösungsansätzen

Um das Problem der Arbeitslosigkeit, prekärer Lohnarbeit und/oder Selbständigkeit und der sich daraus ergebenden Armut zu lösen, müssten Wirtschaft, Staat und Gesellschaft zusammen arbeiten. Heute wird die "Lösung" vor allem durch wirtschaftliche Vorgaben geprägt: Reduktion der Kosten = Reduktion der Unterstützung = Externalisierung auf Eigenverantwortung - meist durch Bestrafung in Form von Abzügen, also durch noch mehr Armut. Tönt lächerlich, ist aber so. Gleich mehr dazu ...

6.1 Die Wirtschaft wünscht sich: Tiefe Löhne und hohe Gewinne (vor allem Kapitalgewinne, die nicht versteuert werden müssen).

Die moderne Wirtschaft verlangt immer weiter gehende berufliche Spezialisierung: Der Bewerber muss <passen> (the survival of the fittest bedeutet präzise das, des Passendsten, nicht des stärksten. s. Der Geist der An-Passung) - und sich dem Betrieb gegenüber absolut loyal verhalten.

Dazu fordert sie Flexibilität, vor der sich allerdings sämtliche karrierebewussten Führer peinlichst hüten, denn Flexibilität, eine Tätigkeit, die nicht ins Portfolio passt, ruiniert die Karriere. Ein längerer Aufenthalt im Ausland  > "Sozialamt einfach". Vor allem trifft dies aber die wenig Qualifizierten, die so erst recht in prekäre Beschäftigungen gedrängt werden. Der von der Wirtschaft geforderte Arbeitskraftunternehmer übernimmt sämtliche Marktrisiken, vor allem die Kosten der zyklischen Flauten, er bietet nicht nur seine Arbeitskraft sondern auch unternehmerische Initiative - und unterstützt den Betrieb, indem er gratis oder zumindest zu einem Praktikantenlohn arbeitet. Dazu haben aber eben immer weniger Lust, denn das ist Ausbeutung und sollte vom Staat eigentlich nicht gefördert werden. Wenn vom Mitarbeiter unternehmerisches Verhalten gefordert wird, ist er dafür auch mit einem Gewinnanteil zu belohnen.

http://www.brainworker.ch/Arbeit/gute_arbeit_II.htm

Die heutige Firma bietet kaum mehr Raum für private, individuelle Persönlichkeit und Identität, denn sie setzt absolute Funktionspriorität. Der Tagesanzeiger berichtet am 1.9.07 auf Seite 24 unter CASH FLAU: Wer sich mit dem Gedanken trägt, für den deutschen Discounter Lidl in der Schweiz zu arbeiten, ist am besten Single, ohne Kinder und auch ohne Hobbys. <Wenn Ihnen die Work-Life-Balance nicht viel bedeutet, können Sie bei Lidl gut Karriere machen>, sagte der ehemalige Lidl-Kadermann Andreas Kosanke.

Trotz solcher Anforderungen und dauernder Restrukturierung sieht sie sich trotzdem als Wohltäter - nicht als Täter und Problemursache.

Obwohl gerade die Finanzmärkte heute die Herrschaft über die wirtschaftliche Entwicklung machen und immer grössere Teile des Mehrwerts für sich beanspruchen, bei Lohnabhängigen, insbesondere den durch Restrukturierung überflüssig gewordenen also Armut schaffen, behaupten auch sie Wohltäter zu sein und die Wirtschaft zu fördern.

6.2 Die Gesellschaft wünscht sich: Hohe Löhne - hohe Freiheit - aber Erhaltung der nationalen Identität

Wohlstand bedeutet recht eigentlich die Entfaltung des Individuums in reicher Vielfalt der Lebensstile. Da hat nicht bloss Houston, sondern die meisten Länder ein Problem, das Problem des Widerspruchs zwischen

Die traditionelle Gesellschaft, eigentlich jede Gesellschaft, verlangt Konformität, was sich durch den Spruch ausdrückt, der mich zum Kotzen bringt: Man muss sich halt anpassen. Man könnte es auch als instabiles Gleichgewicht zwischen Bürgerrechten und- Bürgerpflichten formulieren. Die Autoritären (die Rechten) fordern Leistung von den Andern - die ihrerseits Gerechtigkeit, z.B. in Form der Menschenrechte, einfordern.

Dazu Gorz:

Gorz argumentiert, wie bereits Forrester, Giddens, Rifkin und Sennett, dass seit der Industrialisierung eine Entwicklung stattgefunden hat, an deren Ende alle ökonomischen, sozialen und politischen Rechte an die regelmäßige Vollerwerbstätigkeit gebunden sind: der Anspruch auf volles Einkommen, die soziale Absicherung sowie das Recht auf kollektive Handlungen, Repräsentation und Organisation. Daher bedeutet der Ausschluss von der Arbeit auch den Ausschluss aus der Gesellschaft. So wird der Arbeitsplatz zum „Wert an sich“.

Man könnte das noch etwas drastischer formulieren (meine Worte, dafür kann sonst niemand was):

Wenn wir nach der Maxime verfahren, dass nicht essen soll wer nicht arbeitet - dann sind diejenigen, die andern Arbeit entziehen - Mörder.

Nachdem auch Gorz glaubt, dass die Persönlichkeit heute zum Bestandteil der Arbeitskraft und die Arbeit zum Bestandteil der Persönlichkeit wird, Arbeit also zentral für die Identität ist, besitzt man seine Arbeit und tut sie nicht nur. Gleichzeitig wird der Arbeitgeber zum Wohltäter aufgewertet, die Arbeit zum Gut und der Arbeitsplatz zu einem Privileg.

Forderung:

Die Lohnarbeit, die fremdbestimmte, "gebentschmarkte", in Geldwert bestimmte "Leistung" (= Lohn) darf nicht mehr entscheidend sein für den "Wert" eines Menschen!

Um künftig eine Balance zwischen Job, Freizeit und persönlichen Belangen erreichen zu können, bedarf  es laut Gorz Experimente zur Veranschaulichung alternativer Gesellschaftsformen und Lebensweisen. Die Diskontinuität in der Lebensführung müsse als Quelle für neue individuelle und kollektive Freiheitsrechte genutzt werden. Ziel dabei solle die volle Entfaltung des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft sein -

Vielfältige Tätigkeiten und Aktivitäten müssen sich laut Gorz künftig abwechseln und die Bezahlung darf nicht mehr an bestimmte Tätigkeiten gebunden sein.

Er will mit seinem Konzept ein Abrücken von der Zentralität der bezahlten Erwerbsarbeit erreichen und damit die sogenannte Multiaktivität zu einem neuen gesellschaftlichen und politischen Konzept machen.903 Berufliche, familiäre, soziale, kulturelle, sportliche, politische usw. Tätigkeiten sollen sich im Leben des Einzelnen ablösen und ergänzen, damit die individuellen Fähigkeiten, Interessen und Erfahrungen zur Geltung kommen können. Die gesellschaftliche Nützlichkeit soll dabei nicht länger als Maßstab für die Wertung einzelner Tätigkeiten gelten. Gorz geht es vielmehr darum, dem Einzelnen zuzugestehen selbst zu definieren, was er wann tun möchte.

Identität besteht nämlich nicht bloss aus Vergangenheit, welche die Gegenwart bestimmt, sondern ist, als Bauplan, eben so stark auf zukünftige Entwicklungen und Erwartungen bezogen. Identität ist auch Zukunftsorientierung. Wo keine persönlichen Zukunfts-Erwartungen und -Hoffnungen vorhanden sind, kann kein Bauplan entstehen. Identität braucht Chancen und Freiheit, um sich entwickeln zu können, auch wirtschaftliche Freiheit - die bei Armut nicht existiert ... also nicht bloss auf Grund staatlicher Vorschriften! Identität ist die Antwort auf die Frage an das Ich: Welches Skript kann ich für mein Leben schreiben.

Die dringend zu beantwortende Frage betreffend der beruflichen Identität lautet:

Muss der Mensch in die Wirtschaft passen, muss er so konstruiert sein, dass er der Wirtschaft passt -
oder muss die Wirtschaft den Menschen passen,
also so konstruiert sein, dass sie ein gutes und angenehmes Leben erlaubt?

Wettbewerb ist keine Antwort darauf, sondern bloss ein Mittel, Menschen die der Wirtschaft nicht passen auszuscheiden und somit vom guten, angenehmen Leben auszuschliessen - und denen die übrig bleiben, vor allem denen, die sich lukrative Leistungsjobs sichern können, ein angenehmes Leben zu sichern.

http://www.brainworker.ch/Wissen/konstruktivismus.htm

Leider spaltet sich hier die Gesellschaft, die ja mehrheitlich durch weniger gut verdienende und weniger gut ausgebildete geprägt wird, ebenfalls in 3 Lager, das Linke, das recht, und das grösste, das der Gleichgültigen. Dummerweise fokussiert das Linke auf egozentrische Selbstverwirklichung, das rechte auf autoritäre Unterwerfung, das Lager der Gleichgültigen auf Unterhaltung. Das ist allerdings nichts Neues, denn Rom wurde ja bereits regiert mit panem et circenses, also Brot und Spielen. Von Wurst aufs Brot und Sinn fürs Leben war auch damals nicht viel die Rede, das war Angelegenheit der wirtschaftlichen Elite was die Wurst angeht, Angelegenheit der geistigen Elite, der Philosophen, was den Sinn angeht.

Durch diese Wurstigkeit, die nicht bloss in der Formulierung liegt, wird die sog. <Identität> zur Waffe. Während dem sich die echte Identität aus dem Kern des Individuums das sich der Gemeinschaft zuwendet zur Vielfalt zu neuem Reichtum entwickeln sollte, herrscht dummerweise mehrheitlich die Identität der einfach gestrickten Mehrheit, einer Identität der Abgrenzung gegen Andere. Heute dient vor allem die Ideologie eines schlecht verstandenen Arbeitsbegriffs dieser Ausgrenzung. (s. Hintergründe der geistigen Verwirrung um die Arbeit)

Dieses Plakat hier hängt (15.9.07) z.B. an der Wand des Zollamts bei der Ausfahrt von Basel nach Weil am Rhein, gleich in doppelter Ausführung. Welch herzlicher Abschiedsgruss für die Ausreisenden. Welch dämliche Aussage, für eine Region, die 50% ihrer Produktion im Ausland verkauft. Es ist eine Schande!

Diese Partei schadet der Schweiz!

 

Wer ständig in der Herde mitläuft, muss ein Schaf sein.

Das ausländische Schaf, das hierbei Pate stand. s. http://www.istockphoto.com/file_closeup.php?id=2505099

Sogar das Totemtier der SVP, Zottel, ist eine afrikanische Zwergziege. Sogar beim Veräppeln der Ausländer kommt die Partei nicht ohne sie aus ....

 

 

 

Und das am Dreiländereck ...

 

Und das von einer Partei, die erst kürzlich behauptet hat, es seien die kriminellen Ausländer, die das freundliche Gesicht der Schweiz verunstalteten!


Dr Färimaa ins seiner Schnitzelbangg im Februar 2008 zu dem Thema:

Do isch e härde wyssi Schoof - und e baar schwarzi sin no do -
womeeglig het das Schwarze d Familie lo koo.
Die schware Schöfli han y spöter im Zolli gseh
Sie, dört isch gschtande: <Ne rien donner, s.v.p.>

 

6.3 Der Sozial-Staat wünscht sich hohe Löhne und hohe Gewinne (... die allerdings oft nicht versteuert werden)

Gewinne können nicht das Einzige sein. Die Mission eines Herstellers sollte es sein, die Armut zu überwinden, die Gesellschaft als Ganzes aus dem Elend zu befreien und ihr Reichtum zu bringen. Keinen Gewinn zu machen ist allerdings ebenfalls eine Art Verbrechen an der Menschheit, da teure Ressourcen verschwendet werden.

http://www.brainworker.ch/Wirtschaft/management.htm: Konosuke Matsushita von Panasonic

6.3.1 Der Sozialstaat

Klassische politische Ziele sind, laut Edelman:

  1. Frieden und Wohlstand
  2. Armut, Rassismus und Diskriminierung eliminieren
  3. Arbeitslosigkeit reduzieren
  4. das allgemeine Gesundheits- und Bildungsniveau erhöhen
  5. angemessene Unterkunft für alle ermöglichen
  6. die wirtschaftliche Produktivität erhöhen
  7. nationale Sicherheit gewährleisten

Sechs der sieben Punkte stehen also in klarer Relation zur Armut - ein einziger, Punkt 6, in eben so klarer Relation zu dem Prozess, der eben Armut produziert, der aber von Politik, Wirtschaft und Presse zum einzig relevanten hochgejubelt wird: Wachstum - Wachstum - Wachstum - während dem der Sozialstaat veräppelt wird als soziale Hängematte, die wir uns aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leisten können. Dass wir es uns nicht leisten können, auf Gerechtigkeit, Frieden, soziale Sicherheit zu verzichten, scheint den Anhängern dieser Theorie zu entgehen.

Durch die Schaffung des Sozialstaates geschah dreierlei:

  1. wurde die Konkurrenz zwischen den einheimischen Unternehmen entschärft
  2. die Solidarität zwischen den Lohnarbeitern fest institutionalisiert
  3. ein Klassenkompromiss zwischen Kapital und Proletariat durch eine ihnen beiden politisch übergeordnete Macht, den Staatsapparat, rechtlich garantiert.

Das Bismarksches Sozialsystem war (und ist!) ein durch Beiträge erworbenes Recht. Kein Almosen, dass willkürlich gegeben oder unterlassen werden kann. Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Unterstützung - was von neoliberaler Seite heute als Ursache einer "Anspruchshaltung" beklagt wird. (Wem diese allerdings nicht passt, müsste auch daran denken, dass bei Aufhebung dieser Anspruchshaltung auf soziale Sicherheit im Gegenzug auch die Anspruchshaltung auf persönliches Eigentum oder gar persönliche Sicherheit (vor Faustschlägen z.B.) in Zweifel gezogen werden könnten. .)

Es wurde allerdings zwischen unterstützungswürdigen Lohnarbeitern und Nichterwerbstätigen (Paupern) unterschieden.
             Bismarcks Sozialgesetzgebung zielte darauf ab, Arbeiter und Arme auseinanderzudividieren, bzw. gegeneinander auszuspielen.

Hauptproblem aber ist der graduelle Verlauf zwischen Armut und Reichtum. Es gibt auch heute nicht eine Kluft, die erlauben würde, dass sich die Ausgebeuteten als solche identifizieren und gruppieren könnten. Die Arbeiterklasse, die Verdammten dieser Erde, wurde aufgelöst durch Bildung von Angestelltenklassen, die sich gegenseitig konkurrenzieren und in Schach halten, da jeder nach Höherem (na ja, höherem Einkommen ...) strebt, also einer höheren Klasse (na ja, primär mal Lohn-Klasse).

Arme sind aber auch eine soziale Klasse, die sich allerdings nicht als solche sehen kann, da a) niemand dazu gehören will, b) sie kontinuierlich in den Mittelstand übergeht, von ihm auch genährt wird, und c) die Armen (als traditionsloses Arbeitermilieu) in verschiedene Unterklassen aufgespalten sind:

  1. die linken Armen werden als "unangepasste" bezeichnet (Schwarzer Block mit der Ideologie der Freiheit - aber ohne Konzept oder Zusammenhang)
  2. die rechten Armen als statusorientierte (Brauner Block mit der Ideologie der autoritären Ordnung: Der Stärkste soll führen!)
  3. und zwischen drin gibt's noch die einfach frustrierten (Details s. Die gegenwärtige Ordnung)

Augespalten, nach dem Prinzip divide et impera, wurden aber nicht bloss die Armen unter sich, sondern die gesamte Arbeiter- und Angestelltenschaft wird in eine Mehrheit, die sich keine Sorgen zu machen braucht, und eine Minderheit, die, gelinde gesagt überflüssig ist, aufgespalten:

Die CS-Studie zur Lohnrunde 2008 zeigt, wie passend ..., dass sich 263'000 Arbeitsplätze aus der Schweiz leicht und sparwirksam (für die Betriebswirtschaft natürlich, nicht für die Volkswirtschaft) ins Ausland verlegen liessen, wozu nochmals 330'000 kämen bei denen die Verlagerung zwar möglich aber nicht vordringlich ist, total also 500'000 von 2.7 Millionen.. Bedroht davon sind 140 Berufe, gut ein Drittel aller Arbeitsfelder. DAS Argument gegen die mehr als berechtigten Lohnforderungen lautet also: Ein Inder macht Ihre Arbeit für einen Zehntel. Es liegt bei Ihnen ... Obwohl die Arbeitnehmer in der Verteilung des Mehrwerts seit 15 Jahren über den Tisch gezogen werden, scheint hier keine Korrektur vorgesehen, sondern eine Verstärkung der Ungerechtigkeit. Bei der guten Konjunkturlage wären die geforderten 3 bis 5% mehr als gerechtfertigt, aber ... die Gewerkschaften zeigten sich bisher immer vernünftig gegenüber den Forderungen des Kapitals:

Eine empirische Ermittlung des lohnpolitischen Verteilungsspielraums zeigt, dass dieser nur selten –in den Eckjahren der letzten Rezession 2001 und 2003 –überzogen wurde. Gewollt oder ungewollt wurden insofern bisher von den Verhandlungsführern beschäftigungspolitische Impulse gesetzt.

https://entry4.credit-suisse.ch/csfs/research/p/d/de/schweiz/konjunktur/media/pdf/070820_konjun_lohnrunde08_de.pdf

... abgesehen davon, dass diese Impulse den wenigsten Unter- oder gar Unbeschäftigen geholfen hätten, denn die neuen Stellen wurden ebenfalls im Ausland geschaffen:

 

Berufsfeld

- mehrheitlich überflüssig, da im Ausland ersetzbar

Offshorability Index (= Grad der Ueberflüssigkeit) Beschäftigte total   Berufsfeld

- mehrheitlich unentbehrlich ... aber zumeist leicht und bei tiefen  Löhnen ersetzbar, da hohe Konkurrenz bereits im Lande, die durch outsorcing und mergers noch enorm verstärkt wurde und wird.

Offshorability Index Beschäftigte
total
Informatiker, Analytiker
Programmierer
Webmaster
Uebersetzer/Dolmetscher
Informatikingenieure
andere Informatikberufe

Graphiker
Mathematiker; Statistiker
Physiker

Drucker
Psychologen, Berufsberater
PR-Fachleute
Wirtschaftswissenschaftler
Werbefachleute

Vertreter, Handelsreisende
Buchhalter
Laboranten, Laboristen

Designer, Modeschöpfer
Biologen
Chemiker

übrige Ingenieure
Organisationsfachleute

Maschineningenieure
Elektroingenieure
Immobilienfachleute und -Verwalter
Chemieingenieure, Lebensmittelingenieure
Möbelschreiner
Lastwagenchauffeure
Transportpersonal, Spediteure

Medizinische Laboranten
Elektronikerberufe
Bücherexperten, Revisoren
Kunststoffhersteller, -Verarbeiter
Sonstige Maschinisten
Medizinisch-technische Assistenten
Maler, Tapezierer
übrige Dienstleistungskaufleute
übrige Techniker
Elektromonteure, - Installateure

Marketingfachleute
Maschinenschlosser, Maschinenmonteure
Personalfachleute
Rechtsanwälte, Notare
Innenarchitekten
Reisebüroangestellte
Berufe des Bankwesens
Berufe des Versicherungswesens
wissenschaftliche Assistenten
Apothekenhelfer
100
  "
  "
  "
  "
  "
  96
    "
    "
  95
  93
  90
  89
  88
  84
   "
  83
   "
   "
  81
  76
  75
  74
   "
  73
  72
  71
  67
  64
  63
  62
   "
  61
   "
   "
  58
  55
  54
  53
  53
  52
  51
   "
   "
  50
   "
   "
   "
   "
34617
  9516
  4138
  3473
  6752
21999

  6428
    910
  1567
  9049
  2407
  1606
  1093
  4311
22301
28452
13115

  2069
  1945
  3164
16053
15977

  2397
  3063
  6830
    692
  4652
12047
10739

  3572
  6533
  5995
  1693
14608
  3718
18026
17752
18844
30393

  9658
  7007
14324
  2344
  5376
  5602
42668
15625
  4032
  3999
  Elektrotechniker
Elektroniktechniker
Sanitärplaner/-Installateur
Wirtschaftswissenschaften
verschiedene Fachlehrer, Kursleiter
Umweltschutzfachleute
Soziologen, Politologen
Metallbauer, -bauschlosser
sonstige Schreiner
Mechaniker
übrige Kaufleute/Händler
Küchenpersonal

Bau-, Forstingenieure, Agronomen
Architekten
technische Fachkräfte, Bediener

Verleger, Buchhändler
Post
andere Berufe Gastgewerbe
Verwaltungsbeamte

Lehrer Hochschulen/höhere Schulen
Magaziner, Lageristen
Rechtsanwälte, Notare
Journalisten/Redaktoren
Aerzte
Physio- / Ergotherapeuten

Mechaniker
Spengler
Chauffeure
Metzger
Bäcker, Konditor, Confiseur
Automechaniker
Unternehmer und Direktoren
Leitende Beamte öff. Dienst
Sozialarbeiter
Hauswirtschaftliche Angestellte
Organisator, Verbandsfunktionär

Erzieher
Verkäufer, Detailhandelsangestellte
Kassiere
Geschäftsführer Gastro/Hotels

Zahnarztgehilfen
Kinderkrankenschwestern/-Pfleger
Personentransporte
Betriebsfachleute
Werkmeister
Servicepersonal
Landwirte, Bauern

Geflügelzüchter
45
45
42
36
34
33
31
30
29
26
26
26
25
25
25
25
25
25
25
25
24
24
24
24
24
23
22
21
19
19
17
17
11
10
  9
  9
  9
  7
  7
  4
  4
  4
  1
  1
  1
  1
  0
  0
    1109
    1674
     8912
    1093
  18437
      880
      156
    6534
  24457
  25466
  27555
  42795

    5567
  16060
  20882

    4039
  21354
  10570
  34907

    5875
  32297
    5469
  10597
  23138
  11301

    9544
    6121
  26723
    8644
  14040
  22151
111999
    9701
    7653
  19520
    1593
  14440
144646
  10601
  24249
    6955
    3450
    9263
    5561
  13864
  41551
  58162
 
     165

Aus der Liste lässt sich eine ganze Menge lernen:

  1. Unternehmer halten sich für unentbehrlich - obwohl auch hier bereits mehr als die Hälfte Ausländer sind.
    1. Die unentbehrlichsten Berufe sind die am schlechtesten bezahlten (Bauern, Servicepersonal, Verkaufspersonal etc.), die eh am Existenzminimum leben, oft darunter, weil hier der Wettbewerb spielt und jeder mitmachen kann.
  2. Leitende Beamte halten sich ebenfalls für unentbehrlich ... und die haben Schwein, weil Amtsstellen natürlich nicht ins Ausland verlagert werden können. Schlecht ist dies für den Umgang derselben mit Arbeitslosen, Ausgesteuerten und Sozialfällen, da sie immer noch den Eindruck haben, Verdrängung aus dem Arbeitsmarkt passiere nur ganz extremen Versagern, Faulenzern, Dummköpfen - oder eben Schmarotzern.
  3. Dass die Bankberufe sich leicht auslagern lassen, ist unerfreulich für die Betroffenen - um so erfreulicher aber für die Sozialpolitik, denn je mehr Profiteure des Finanzmarktes merken, was sie mit ihren Aktivitäten eigentlich anrichten, um so grösser wird die Kritik - und um so sachverständiger.
  4. Dass es sich beim Gejammer über fehlende Ingenieure, Chemiker, Bio-Spezialisten und insbesondere Informatiker um Krokodilstränen handelt, zeigt sich hier ebenfalls. Denn im Land wird von den einen, die günstige Spezialisten suchen, über einen ausgetrockneten Arbeitsmarkt gejammert ... den Spezialisten aber die nicht grad <passen>, fehlen die Jobs. Sie sehen auch anhand der Zahlen, dass hier nur diejenigen aufgeführt sind, die einen Job auf dem entsprechenden Gebiet haben. Nehmen Sie z.B. Forstingenieure, meine Ausbildung, so sind in der CS-Liste 297 aufgeführt. An der ETH wurden (die Ausbildung zum Forstingenieur gibt's nicht mehr, wurde durch landscape management ersetzt) aber Jahr für Jahr zwischen 30 und 50 ausgebildet. Was denken Sie, was all die machen, die in die offenen Stellen nicht reinpassen? Das Selbe bei andern Berufen mit sehr wenig Anstellungsmöglichkeiten, wie z.B. Soziologen, Politologen, wo ein mehrfaches der hier genannten 156 jedes Jahr die Hochschulen verlässt. Oder Journalisten/Redaktoren, die es gibt wie Sand am Meer, die aber um so schneller stranden, je stärker die Konzentration der Medien zunimmt - und je mehr sich in Kommunikationswissenschaften und Publizistik ausbilden lassen und ebenfalls auf dieses Arbeitsfeld drängen, obwohl diese Ausbildung damit eigentlich wenig zu tun hat.. All diesen nützt die relativ geringe Bedrohung durch Auslagerung rein gar nix.

    Je stärker die Konzentration, je höher die Spezialisierung, je <sparsamer> die Zahl effektiver Stellen - desto massiver das Strandgut der beruflichen Spezialisierung, dass an den Rand geschwemmt wird.

Da Armut nicht bloss ein privates Problem ist (was das Konzept <Eigenverantwortung ach so gerne hätte) sondern ein gesellschaftliches, kümmern sich primär die Soziologen und Sozialarbeiter drum, die dummerweise meist nix von Oekonomie verstehen und auch nur mässig viel von Politik, weshalb sie das Problem nur verstehen, kaum aber lösen können.

Durch die Schaffung des Sozialstaates geschah dreierlei:

  1. die Konkurrenz zwischen den einheimischen Unternehmen wurde entschärft
  2. die Solidarität zwischen den Lohnarbeitern fest institutionalisiert
  3. ein Klassenkompromiss zwischen Kapital und Proletariat durch eine ihnen beiden politisch übergeordnete Macht, den Staatsapparat, rechtlich garantiert.

Das Bismarksches Sozialsystem war (und ist!) ein durch Beiträge erworbenes Recht. Kein Almosen, dass willkürlich gegeben oder unterlassen werden kann. Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Unterstützung - was von neoliberaler Seite heute als Ursache einer "Anspruchshaltung" beklagt wird. (Wem diese allerdings nicht passt, müsste auch daran denken, dass bei Aufhebung dieser Anspruchshaltung auf soziale Sicherheit im Gegenzug auch die Anspruchshaltung auf persönliches Eigentum oder gar persönliche Sicherheit (vor Faustschlägen z.B.) in Zweifel gezogen werden könnten. .)

Es wurde allerdings zwischen unterstützungswürdigen Lohnarbeitern und Nichterwerbstätigen (Paupern) unterschieden.
             Bismarcks Sozialgesetzgebung zielte darauf ab, Arbeiter und Arme auseinanderzudividieren, bzw. gegeneinander auszuspielen.

Hauptproblem aber ist der graduelle Verlauf zwischen Armut und Reichtum. Es gibt auch heute nicht eine Kluft, die erlauben würde, dass sich die Ausgebeuteten als solche identifizieren und gruppieren könnten. Die Arbeiterklasse, die Verdammten dieser Erde, wurde aufgelöst durch Bildung von Angestelltenklassen, die sich gegenseitig konkurrenzieren und in Schach halten, da jeder nach Höherem (na ja, höherem Einkommen ...) strebt, also einer höheren Klasse (na ja, primär mal Lohn-Klasse).

Arme sind aber auch eine soziale Klasse, die sich allerdings nicht als solche sehen kann, da a) niemand dazu gehören will, b) sie kontinuierlich in den Mittelstand übergeht, von ihm auch genährt wird, und c) die Armen (als traditionsloses Arbeitermilieu) in verschiedene Unterklassen aufgespalten sind:

  1. die linken Armen werden als "unangepasste" bezeichnet (Schwarzer Block mit der Ideologie der Freiheit - aber ohne Konzept oder Zusammenhang)
  2. die rechten Armen als statusorientierte (Brauner Block mit der Ideologie der autoritären Ordnung: Der Stärkste soll führen!)
  3. und zwischen drin gibt's noch die einfach frustrierten (Details s. Die gegenwärtige Ordnung)

6.3.2. Sozialarbeit

Grösstes Problem der Sozialarbeit ist die Schizophrenie, gleichzeitig zu kontrollieren und zu helfen, good cop (helfen) & bad cop (beim Sparen helfen) zugleich spielen zu müssen.

Niklaus Dimmel, Prof. Sozialhilfe in Wien, sieht für die Sozialarbeiter hier eigentlich eine Notwendigkeit, zu Strategien der List zu greifen, um in diesem Bermuda-Dreieck aus Verbetriebswirtschaftlichung, Professionalisierung und Sozialpolitik nicht Schiffbruch zu erleiden:

  1. Appeasement, die Beschwichtigung der Kritiker, die finden Armutsbetroffene seien erst mal selbst schuld und sollen sich gefälligst selbst aus dem Schlamassel helfen. Diese Position zieht ihre Berechtigung aus der Ruhigstellung, der Erhaltung des sozialen Friedens - ist aber nicht gestaltungsfähig, löst also keinerlei ursächliches Problem. Der Ansatz verlangt von den Armutsbetroffenen in erster Linie Konformität und Fügsamkeit. Es ist dies leider der vorherrschende Ansatz, der die Schuldvermutung auf die Betroffenen legt.  Anders als im europäischen Recht, in dem der Angeklagte so lange als unschuldig gilt, bis seine Schuld bewiesen ist, gilt der Arbeitslose als schuldig, bis er eine Arbeit gefunden hat:

Der Arbeitslose ist selbst schuld ... bis er nicht mehr Arbeitslos ist (daran ist dann die Hilfe schuld ...).

Stelle per Verfügung: Eine verordnete Stelle abzulehnen ist laut SECO-Richtlinien das schlimmste aller möglichen Vergehen. Die Ablehnung führt zu Reduktion der Ansprüche: 31 bis 45 Sperrtage beim ersten Mal, 46 bis 60 beim 2. Mal, Aberkennung der Vermittelbarkeit beim 3. Mal.

Das Selbe existiert auch bei der Sozialhilfe, wo die Ablehnung eines Angebots, egal wie schlecht, zum Abzug von 15% des Primärbedarfes führen kann.

Hier handelt es sich eindeutig um einen Widerspruch zur Wirtschaftsfreiheit, die in Artikel 27, Absatz 2 eindeutig definiert wird: Sie umfasst insbesondere die freie Wahl des Berufes sowie den freien Zugang zu einer privatwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und deren freie Ausübung.  Dazu ist eh zu sagen, dass zwar das Gesetz dieses Recht anerkennt, der Markt aber darauf scheisst.

Durch systemkonformes Verhalten (= Anpassung) ersparen sich die Versicherten zwar Ärger und sichern sich die Unterstützung - bewegen sich aber ziemlich weit weg von den Realitäten des Arbeitsmarktes. Die Beratung hat also immer etwas vom "absurden Dialog", in dem man zwar zeigt, was man tut, aber es nur so weit offen ausspricht, dass der andere nicht zu einer formellen Antwort (Verfügung-direkter Widerspruch) gezwungen wird. Der Verkehr zwischen Arbeitslosen und Amt ist also von Strategien geprägt (... weshalb auch dieser Beitrag eigentlich gut in den Beitrag Sozialarbeit als listige Tätigkeit gepasst hätte, das aber noch länger ist als der hier). Ein volles Engagement der Arbeitslosen wird in der aktuellen bürokratischen Verfassung praktisch verunmöglicht. Priorität hat, "den willigen Arbeitslosen" überzeugend zu spielen - oder, auf der andern Seite, das wohlmeinende Patriarchat (d.h. in dem Falle meist eher Matriarchat, was aber auch nichts besseres ist.) Die unglückliche Verknüpfung von Beratung mit Sanktion öffnet der Willkür Tür und Tor. Natürlich lässt sich das System missbrauchen, wie jedes System, das klare Regeln hat, was ja gerade der Arbeitslosigkeit verursachende Faktor, der überbordende Neoliberalismus beweist, der sofort, wenn die Angestellten nicht zu 120% ausgelastet sind, diese in Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Frühpensionierung schickt..

  1. Assimilation, die Anpassung an das herrschende Topos, zur Zeit also den neoliberalen Sprachgebrauch und das Anliegen SPAREN. Hier kann die Sozialarbeit zu Recht darauf aufmerksam machen, dass Arme die auf der Strasse leben, auf die Strasse (und den Staat ... und die Wirtschaft sowieso) kacken, im Endeffekt mehr Kosten verursachen als die Hilfe.

In beiden Fällen ist ein beliebtes Werkzeug auch das Abschieben der Betroffen und der Kosten auf andere Kassen, andere Gemeinden, oder Familie, Mitbewohner, Partner. Folgende Graphik zeigt auch deutlich, dass nur knapp ein Drittel seine Erwerbssituation so weit verbessern kann, dass ein Bezug überflüssig wird. Ein weiteres Drittel wechselt die Kasse und das letzte den Wohnort ... oder verschwindet irgendwie, vermutlich ab und zu eben in die "Transzendenz". Mehr "Härte" dürfte vor allem diese "Abgänge" fördern. Man könnte (oder müsste?) also leicht boshaft sein und darauf hinweisen, das mehr Strenge bei der Sozialhilfe vor allem die Selbstmorde fördern wird.

Die Arbeitsmarktpolitik setzt, typisch für das liberal-repressive Modell von Sozialstaat, einseitig beim Arbeitskräfteangebot an.

  1. Repolitisierung: Trägt das Problem Armut aufs politische Parket, das für die Lösung gesellschaftlicher Probleme eigentlich zuständig sein sollte. Dummerweise sind die Sozialarbeiter ja angestellte, haben ihren Auftrag, und als Staats- oder Gemeindeangestellte eben diesen Auftrag zu erfüllen - und nicht, ihn politisch zu verändern. Hier steckt die Sozialarbeit also immer noch zwischen Tür und Angel.

  2. Adaption (gegenseitige Anpassung) - Laut Aussage von Dimmel geht es darum, eine durch Ökonomisierung fehlgeleitete Sozialarbeit in eine am Menschen und seinen Bedürfnisse orientierte umzuwandeln - nicht sich an den vom Stärkeren verlangten Status quo anzupassen, sondern den Status quo an die Bedürfnisse der Bürger, in dem Falle insbesondere der Armen. Auch diese Strategie erfordert Politik, führt also die "armen" Sozialarbeiter ebenfalls in Schwierigkeiten.

 

 6.3.3 Zwangsarbeit (s. welfare - workfare - forced labour fair: Der autoritäre Markt hat den sog. "freien" längst ersetzt)

Weitere Muster für die Verarschung von Armen:
  • 20 Minuten: Generation hohle Hand  von Ueli Tecklenburg, Geschäftsführer der SKOS (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe)
    • Wir haben es mit einer neuen Generation von SozialhilfebezügerInnen zu tun, die von ihren Eltern her kein Erwerbsleben mehr kennen und für die die Sozialhilfe zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Stefan Risi, Case Management bei der IV:
  • Weltwoche: Frau Zaki braucht ein Dienstmädchen. / Die Spitze des Eisbergs. / Weitere Einzelfälle. / Vernebelungsstrategie - alles Artikel mit dem Fazit: Wer nicht arbeiten will, bekommt trotzdem Fürsorge. Für Fürsorge-Empfänger lohnt es sich nicht zu arbeiten.
  • SVP: Linke Sozialpolitik: Schlaraffenland dank Missbrauch. / Stoppt den asozialen Sozialhilfemissbrauch ... Titel die prompt vom Schweizer Fernsehen in zwei Ziischtigsclubs aufgenommen wurden.

aus: Der neokonservative Angriff auf die Sozialhilfe. F. Schibli. IG Sozialhilfe. No 12.

  • Tagesanzeiger am 1.9.07: S. 1: Arbeiten lohnt sich nicht immer. ... aktivierende Sozialhilfe ... Sozialhilfe nicht bedingungslos gewähren, sondern an Gegenleistungen wie eine Vollzeitbeschäftigung knüpfen. ... kommunale Beschäftigungsprogramme ... / S. 3 Wenn Sozialhilfe mehr bringt als Arbeit. Sozialhilfe zu hoch ... Sozialhilfe-Fallen

Sie sehen, die Armen sind zum Abschuss freigegeben. Wirtschaftsfreiheit gilt nur für die, die Geld haben, die andern enden bald wieder als Untertanen gnädiger Herren und "dürfen" für das Existenzminimum Vollzeit arbeiten. Ein ideales Training um Minimalstlöhne am Existenzminimum zu fördern und die Zumutbarkeit völlig zu eliminieren. Ein Zumutung also .... Auch die Beschäftigungsprogramme, die bei den (bloss) Arbeitslosen längst aufgegeben wurden, da ihre Unwirksamkeit, ja negative Wirkung längst erkannt wurde, dürften bald die Ausgesteuerten, also die Sozialhilfeabhängigen beglücken.

Obwohl Arme, insbesondere in der Form der Sozialfälle, als:

gelten, obwohl:

Den Reichen die Steuern geschenkt werden - und die Armen die Rechnung dafür bezahlen,

sollen sie zu Vollzeitarbeit verpflichtet werden Pflicht zur Arbeit - Workfare statt wellfare - nennt sich das Projekt in Newspeak. Das tönt in manchen Ohren gut, hat aber ein paar Stolpersteine und faule Eier eingebaut:

In den USA, wirtschaftliches Vorbild der Schweiz, ging der Abbau in den letzten 30 Jahren noch weiter. Arbeitslosigkeit und damit Armut wurde kriminalisiert, Repression und Kontrolle verstärkt - die Anzahl der Gefängnisinsassen hat sich in der Zeit vervierfacht. Und ausgerechnet diese USA, die das Substrat der Ohnmächtigen nicht nur im Irak, sondern auch im eigenen Land derart fördern,  wollen einen Krieg gegen den Terrorismus führen.

Die Sozialhilfe ist also immer noch, trotz klarer Belege dafür, wie der Ausschluss funktioniert und dass es sich um ein gezieltes Verfahren handelt, mit der Schuldfrage verknüpft. Leistungsschwache sind schuld an ihrer schwachen Leistung - nicht diejenigen, die Leistung so definieren, dass sie selbst am meisten davon profitieren.

Mit den "neuen" Ansätzen-  workfare statt wellfare -  "Arbeit statt Sozialhilfe" - Arbeit statt Fürsorge - wird die Lösung ebenfalls auf den integrationsunwilligen Arbeitsmarkt verlagert. Die Armen müssen eine Stelle suchen <> dürfen aber keine fordern. Die RAVs heissen zwar Arbeitsvermittlung - sehen sich aber meist nicht in der Lage, nicht vorhandene Jobs zu vermitteln. Sie sehen sich oft gar als Vermittlungszentren missverstanden. (Magnin 2005): Das RAV vermittelt keine Stellen, sondern erwartet - gerüstet mit dem massiven Sanktionsinstrumentarium des Gesetzes - dass seine "Kunden" sich selbst um Arbeit bemühen. ... Zuerst wurden die Forscher darüber unterrichtet, was die Programme NICHT bieten: Wir machen hier keine Sozialarbeit, wir vermitteln keine Stellen, wir machen keine Berufsberatung, wir qualifizieren nicht. Was bleibt? Förderung der Idee des Wertes der Arbeit an sich, der Pünktlichkeit, der Bewerbungsbürokratie, der Konformität, der Beweis, dass sie trotz Arbeitslosigkeit noch normal funktionieren und arbeitsmarkttauglich sind..  [S. 23]

Der ganze Apparat dient also eher der Kontrolle als der Beratung, fördert Fügsamkeit statt Selbstverantwortung, Konformität statt innovativer Ansätze - auch bei der Stellensuche. Diese Disziplinierung der Sozialleistungsbeziehenden mit autoritären Massnahmen, bis hin zur Zwangsarbeit - hat zwar zu einer Verschlechterung der Situation vieler Betroffener geführt, jedoch nicht zu mehr Chancen am Arbeitsmarkt.

Wer von der Wirtschaft ausgeschlossen wurde steht am Pranger als fauler, dreckiger, meist alkoholabhängiger oder sonst wie süchtiger Parasit, als Sozialschmarotzer, der BMW fährt und in Florida oder sonstwo an der Sonne Ferien macht auf Kosten der Allgemeinheit. Nicht bloss in den 90er waren die Beschäftigungsprogramme ein gutes Business für viele Entwicklungsorganisationen (Caritas, Arbeiterhilfswerke etc). Die Berliner TAZ [7.8.04] kommentierte den Vorschlag der deutschen Caritas, 17'000 Zusatzjobs zur Verfügung zu stellen wie folgt: Die Wohlfahrtsverbände sind die grossen Profiteure des Arbeitszwangs für zukünftige ALGII-Empfänger. Zusätzlich zur Unterstützung vom Staat bekommen sie jetzt noch Tausende von billigen Arbeitskräften geliefert. Und sie sehen sich dabei noch als Wohltäter.

Wir haben also die seltsame Situation, dass es zwar kein Recht auf Arbeit gibt
- aber ein verfassungsmässig garantiertes Recht auf eine Existenz in Würde, was die Existenz als Clochard also ausschliesst.
Folglich muss der Staat, also die Gemeinschaft, präzise die Kosten tragen, welche die Wirtschaft als Gewinn verbucht, indem sie Arbeitsplätze wegrationalisiert.

Die klassische republikanische Tradition wurde jedoch von individualistischem Utilitarismus überwuchert. Dieser sieht den Zweck von Institutionen nur instrumentell, wie z.B. mehr Reichtum anzuhäufen, Sicherheit zu garantieren, Wettbewerbsvorteile und Macht zu erlangen.

Institutionen sind also entweder dem eigenen Fortkommen und der Selbstverwirklichung nützlich (die Firma) oder hinderlich (der Staat, der sich für Arme oder Umwelt einsetzen will und dafür auch noch Steuern verlangt). Erfolg heisst persönlicher Gewinn. Gerechtigkeit heisst: Jeder nach seiner Leistung. Hier haben wir präzise das Problem formuliert: Des einen Macht ist des andern Unfreiheit - eine Erkenntnis, die nur von der Anarchie wirklich ernst genommen wird.

Ziel ist es nicht, den Ausschluss zu verhindern - sondern die Ausgeschlossenen mit repressiven Mitteln zur Reintegration zu zwingen, zu fast allen Bedingungen. Alles ist zumutbar ...

Die frühbürgerliche Sozialpolitik setzte hauptsächlich auf Repression ... (was sie auch heute noch tut. s. Beratung und Kontrolle) die abschreckend wirken sollte, das Problem der Armut aber nicht löste sondern verschärfte. Sozialdisziplinierung vom 16. bis 18. JH in Zucht- und Arbeitshäusern. Vom Typ des Lohnarbeiters abweichende Verhaltensweisen wurden nach und nach "korrigiert".

Mit Blick auf die Verlierer und die Funktion der Arbeit kommt Dahrendorf zu dem Schluss, dass Arbeit immer mehr zu einem Instrument der sozialen Kontrolle werde. Habe sie bislang bereits das gesellschaftliche Leben strukturiert, entstehe nun durch die Auflösung der Normalarbeitsbiographien eine „gefährliche Leere“, die den sozialen Zusammenhalt gefährde und in den Konzepten des „Dritten Wegs“ einer Kontrollfunktion den Weg ebne.1314 Für ihn birgt dieses Konzept die Gefahr des Autoritarismus, weil hier Rechte und Pflichten zu einer „illiberalen These“ verquickt würden.1315 Rechte und Pflichten könnten aber gerade nicht voneinander abhängig gemacht werden, weil der Bürgerstatus - und um diesen gehe es an dieser Stelle - nicht an die Erfüllung von Bedingungen geknüpft werden dürfe:1316 „Doch wäre es eine merkwürdige Perversion der Thesen, (...) wenn das Reich der Notwendigkeit sozusagen als Waffe benutzt würde, um das Reich der Freiheit zu beschränken. Arbeitszwang ist wie jeder Zwang ein Schritt in die Unfreiheit. Wir sollten den Zynismus des Mottos nicht vergessen, das über den Toren von Nazi-Konzentrations- und Todeslagern stand: „Arbeit macht frei“.

Das für die Betroffenen schwierigste Problem ist die Tatsache, dass sie eigentlich keine Klasse bilden, dass ihnen eine gemeinsame Plattform fehlt, weil sie bereits keine gemeinsamen Interessen sehen. Sie sind eine Menge ohne Gestalt. Das ist das Problem der Linken, dank dessen die Rechte meist recht ungestört regieren kann.

http://www.brainworker.ch/Globalisierung/globalisierung_II.htm

7. "Lösungen"

Armut gab's immer, Konjunkturschwankungen gab's immer, Restrukturierung gab's immer - und Lösungen gab's immer - so die Meinung der meisten Konservativen, aber auch vieler Wissenschaftler. Im Prinzip ja, sprach Radio Eriwan, aber, wenn wir uns die grossen Booms und Zyklen ansehen, sieht die Sache heute doch ein klein bisschen problematischer aus:

  1. Armut der Bauern > Wechsel in die Industrie, Strassenbau und insbesondere zur Eisenbahn. Das waren aber Tätigkeiten die zwar hart waren, meist aber a) weniger hart als die landwirtschaftliche Tätigkeit und b) meist ohne grosse, ja oft ohne irgendwelche Anforderungen in Sachen Qualifikation.

  2. Ländliche Armut > Wechsel in die Stadt: Diese Bewegung findet heute noch tagtäglich statt in Entwicklungsländern. Während dem schon hierzulande diese Bewegung verhindert wurde durch die Zünfte, die Arbeitsmöglichkeiten zuteilten, und die Landbevölkerung als Untertanen ausschloss, enden heute die meisten Landflüchtigen in den Slums der Vororte.

  3. Industrielle Armut Wechsel zu Dienstleistungen?: Diese Bewegung, die heute die verschwindenden Arbeitsplätze in der Industrie ersetzen soll, wird

    a) behindert dadurch, dass der Dienstleistungsbereich bereits selbst in einer Restrukturierungsphase steckt, die erst durch Computer möglich wurde, und
    b)
    behindert durch oft unmässige Forderungen die sich am besten durch die zunehmende, oft absurde Akademisierung ausdrücken.

Was bleibt ist eine Menge blabla und ballaballa, in x Projekten, Konferenzen und Foren, die meist ebenfalls keine andere Lösung zu bieten haben, als Unterstützung bei Bewerbungen, mehr Bewerbungen, bessere Bewerbungen, mehr Ausbildung, bessere Ausbildung ... aber nicht mehr Stellen. Durchforsten Sie selbst mal das Internet per Google nach armut, armutskonferenz, armutsforum, armutsbekämpfung, armutsminderung, armut projekte etc., aber halten Sie einen Schnaps in Reichweite, um den Frust runterzuspülen, denn all das ist genau so unergiebig wie Wikipedia: Wenn man nach Vorschlägen sucht, die sich nicht darauf beschränken, Armut per "Eigeninitiative" zu beheben, weil die Ursache ja eh Faulheit, Dummheit und Frechheit sei (s. Dummkopf), sondern die echten Probleme und Ursachen gemäss den Empfehlungen Repolitisierung und Adaptation lösen wollen ... tja, da können Sie lange suchen.

Unter dem gegenwärtigen Wiki zur Armut wird eigentlich nur Mumammed Yunus erwähnt, der als grösster Förderer der Mikrokredite den Friedensnobelpreis erhalten hat. Während dem Mikrokredite etwas illusionäre sind, da der wirtschaftliche Erfolg vor allem abhängt von Kernkompetenz (27%), Marktposition (24%), Innovation  (20) und Marktorientierung (16), ist die unter Wiki aufgeführte Empfehlung, neben rein Profit maximierenden Unternehmen auch soziale Unternehmen einzuführen, deren Ziel es nicht ist, Profit zu erwirtschaften, sondern die Welt positiv zu verändern. Investoren in diese Firmen bekämen später ihr Geld zurück, jedoch ohne Dividende. Stiftungsaktivitäten von bestehenden Firmen könnten so in diese Richtung gelenkt werden. Dies entspricht so ziemlich der Idee der "moralischen Unternehmen", die Ethik und Moral, auch in der Politik, quasi "unternehmerisch" als Interessen aufbauen und vertreten.

Das wichtigste Problem scheint mir, dass wir (ich schliess mich ein, versuch's aber zumindest) eigentlich keinen blassen Dunst haben, welches Ziel wir ansteuern, wohin wir eigentlich wollen, was unter "Wohlstand" (für alle) zu verstehen wäre, und wie eine Gesellschaft organisiert werden müsste, dass sie dies ermöglicht. s.

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Und zum Abschluss auch zu diesem tristen Thema ein paar weise, dämliche (hier nicht zitiert) oder auch amüsante Zitate wie:

http://de.wikiquote.org/wiki/Armut

Links

 

Martin Herzog, Dipl. Ing. ETH, Veteran der generation p, Basel 2.9.07